Beitrag (#1) von: Schnecke1980 am: 31.07.2008 14:34h
Hi Obstbauer,
also ich bin mein ganzes Leben lang im Rolli gewesen und kenne es daher nicht anders. Daher war es für mich sehr leicht damit klar zu kommen.
LG
Schnecke1980
ich meine, diejenigen die hier selber betroffen sind, werden doch auch wie ich in ein schwarzes Loch gefallen sein , wie seit ihr da wieder herausgekommen ?
von: Obstbauer am: 31.07.2008 13:11h
Antworten: 14, Views: 1346
Beitrag (#1) von: Schnecke1980 am: 31.07.2008 14:34h
Hi Obstbauer,
also ich bin mein ganzes Leben lang im Rolli gewesen und kenne es daher nicht anders. Daher war es für mich sehr leicht damit klar zu kommen.
LG
Schnecke1980
Beitrag (#2) von: Obstbauer am: 31.07.2008 16:07h
ich meine, eher, wie es ist,wenn man plötzlich sein ganzes restliches Leben im Rolli sitzten muß,nie wiederaufstehen..klar du kennst das nicht, das ist etwas anderes..sorry
Beitrag (#3) von: Schnecke1980 am: 31.07.2008 16:10h
Hi Obstbauer,
stimmt da hast du natürlich recht.
LG
Schnecke1980
Beitrag (#4) von: Floyd am: 31.07.2008 16:18h
Da greift wie so oft der Grundsatz: "Zeit heilt Wunden" - es dauert schon einige Zeit, bis man sich abgefunden hat, bei dem einen länger, bei dem anderen nicht so lang ... Auch wenn es etwas altbacken klingt: einfach so gut es geht weiterleben und das Beste draus machen.
Mir persönlich hilft und half vor allem die Beziehung zu meiner Frau über die Runden. Auch unsere Katzen tragen ihren Teil dazu bei, man glaubt gar nicht, wie gut Haustiere für die Psyche sind,
ersetzen manchen Seelenklempner.
Alles Gute
Floyd
Beitrag (#5) von: Herbert am: 31.07.2008 17:41h
Ich habe mal gerade in deinem profil rumgeschnuppert. Exakt so alt wie Du jetzt bist, war ich las ich verunglückt und mit QS im Rollstuhl gelandet bin. Natürlich ist man anfangs in einem tiefen Tief (gefällt mir besser als das "schwarze Loch"), aber mit Steppi Stepanovic "Lebbe geht weiter" und auf einmal kannst Du viel mehr als Du Dir vorher selbst zugetraut hast. Das ist jetzt bei mir 20 Jahre her und auch wenn jetzt wieder von irgendwo her ein Aufschrei kommt, weil das nicht so seinkann/darf: Die 20 Jahre waren mindestens so lebenswert wie die früheren! Ich habe aber, im gegensatz zu anderen, nicht den Kopf in den Sand gesteckt, treibe regelmässig rehasport, sehe mir die ganze Welt an, auch im Rolli und habe neine Freunde nicht durch "Kopf hängen lassen" vergrault. (Auch die haben nur eine begrenzte Toleranzzeit, in der man als frischer QS alles darf. Nach einiger Zeit ziehen die sich sonst zurück - in aller Freundschaft.)
Also Kopf hoch, mach mit!
herbert
Beitrag (#6) von: Herbert am: 31.07.2008 17:44h
Vorsorgliche Ergänzung: ich bin hoch gelähmt Th 2, habe extreme Spastik usw. Also das Argument "Du kannst das, aber ich nicht" zählt nicht!
Herbert :-)
Beitrag (#7) von: Ron. am: 31.07.2008 21:09h
halö obstbauer,
»du bist doch absolut der gleiche wie vorher! ok, du kannst vielleicht nicht mehr laufen aber bist du deshalb ein anderer?!« das sag meine freundin immer zu mir, wenn ich mal nen durchhänger hab.
klar ist es jetzt schwer, nicht mehr obstbauer zu sein, mich nervt’s auch brutal dass ich nicht mehr mit dem moped über die pässe braten kann (ich hatte keinen motorradunfall). ich will auch nicht lapidar sagen »such dir halt was andres«! wenn ich mir's überleg, könntest du zb spezialist für obstbrände werden dann komm ich öfter mal vorbei.
was mir auch hilft: keine verniedlichung von hilfsmitteln!
klar wird dich der rollstuhl sehr wahrscheinlich bis ans ende deiner tage begleiten, aber das tun bücher, fenster, mikrowellen, computer und t-shirts doich auch, ich sag ja zu meiner baclofenpumpe auch nicht horst!
ich mein damit, mach die qsl und den rollstuhl nicht zum zentralen punkt in deinem leben, der rollstuhl ist nicht dein kumpel sondern ein ding das du benutzt! konzentrier dich, wie die anderen schon gesagt haben, auf deine freunde, family und tiere. mit nem hund musst du auch bei wind und wetter raus, wenn du kein tierquäler s4in willst.
katzen wirst du keine bekommen, die sitzen alle bei floyd auf'm bierbauch...
aller anfang ist schwehr, das ist so schön abgedroschen, aber es stimmt einfach!
ich (c5) konnte am anfang nur mit dem e-stuhl ein bisschen über den klinuikgang rollen, und ein jetzt fahr ich handbike, wenn auch (noch) nicht weit…
rechtschreibfehler kosten den ehrlichen finder ein eiskaltes bier!
Beitrag (#8) von: wheelydriver am: 31.07.2008 21:40h
Hi,
darf ich fragen welche Lähmungshöhe Du hast?
Ich (Tetra C1/C2 inkomplett) sitze seit 24 Jahren in der Kiste.Natürlich denkt man am Anfang, scheisse das kann ja wohl nicht wahr sein.Am anfang konnte ich weder selbst atmen noch irgend etwas bewegen,sprich der Körper war wie tod. Nachdem ich dann nach 3 Monaten aus dem Koma erwachte fing das kämpfen an.Man trainierte mit mir sowohl das wieder selbst atmen und machte KG bis zum umfallen.Das Ergebnis nach 15 Monaten war, daß ich meine linke Seite wieder halbwegs bewegen konnte und spontan wieder 8 Std selbst atmen konnte.
Heute ist es so,daß ich meine linke Seite soweit wieder normal bewegen kann aber ich meine rechte Seite nicht gebrauchen kann.Dann muss ich jede Nacht mittels eines C-Pap (Nasenmaske) beatmet werden.Auch sonst brauche ich relativ viel Hilfe.
Trotzdem habe ich nen Job, dem ich täglich 6 Std. nachgehe und es ist in keiner Behindiwerkstatt oder ner sonstigen caritativen Institution.Dann fahre ich ein eigenes Auto, was natürlich dementsprechend umgebaut ist.
Du siehst also trotz Rolli kann man noch vieles machen und wie hier schon die meisten sagten: Den Kopf nicht in den Sand stecken sondern fighten, so schwer es auch manchmal fällt-aber das Leben geht trotzdem weiter.
Grüßle
PS:Woher kommst denn genau vom Bodensee?
Wohne ne Std. vom See entfernt.
Beitrag (#9) von: klaus560 am: 31.07.2008 23:27h
Vor kurzen hatten wir einmen ähnlichen Thread und da schrieb ich jemand ins GB "aus deinen Worten spricht die Weisheit des Alters" Das war auch so ein langjähriger erfolgtreicher QS und bei Herbert und auch den anderen fiel mir das gleiche ein. Ich bin ja inzwischen auch über 30 Jahre "Kunde von Rollstuhl,Krücke und Co". Irgendwie haben wir alle die gleiche Einstellung bzw Methode mit unserer Behinderung sehr gut zurechtzukommen. Wobei "zurechtkommen" klingt mir beinahe schon zu negativ. Es ist zwar schwierig bei wheelydriver (RESPEKT !!) sicher noch etwas schwieriger, aber wir leben gut damit. Am WE gibt es eine Mail ich versuche mal den Trick zu erklären
Klaus-Uwe
Beitrag (#10) von: Liongirl am: 02.08.2008 17:08h
Hallo Obstbauer!
Ich bin jetzt genau so lange QS (C 5) wie ich Fußgänger war, nämlich 18 Jahre.
Der Unfall kurz vor meinem 18. Geburtstag, hat mich von einer Sekunde zur anderen "erwachsen" gemacht. Es waren keine Discos und coole Klamotten mehr wichtig, sondern ich mußte wieder lernen zu leben.
Von meinem damaligen Freundeskreis ist nur eine Person geblieben, und auch von meinem Partner habe ich mich getrennt! Mein "altes" Leben gab es nicht mehr. In meinen Beruf (Kindergärtnerin)konnte ich nicht zurück, und nach 9 Monaten REHA kam ich zwar in ein toll umgebautes Elternhaus mit eigener Wohnung zurück, aber das wollte ich alles garnicht.
Bestimmt 3 Jahre lang lies ich alles über mich ergehen, Pflege, Ärzte, KG, ja sogar Urlaube... aber ich war innerlich tot... und wie Ron schreibt "man ist noch der gleiche Mensch wie vorher" auf mich traf das nicht zu, ich hatte mich verändert!
Mein 2. Leben begann mit dem Einzug eines 12 Wochen alten Golden-Retriever-Welpen. Er brauchte mich, schaute mich nicht ewig mitleidig an (so wie die Familie)wollte spielen und das Leben kennen lernen, und ich zeigte es ihm - und mir!
und das "neue" Leben ist schön... heute habe ich wieder einen netten Freundeskreis und einen Lebenspartner.
Rückblickend möchte ich sagen dass ich heute genau so glücklich bin wie vor dem Unfall.
Man braucht Zeit um sein "altes" Leben zu betrauern, die muss man sich nehmen auch wenn es einige nicht verstehen!
und man braucht eine Aufgabe (bei mir wars der Hund) kann bei dir was ganz anderes sein.
und schau nicht zurück im Zorn was du alles nicht mehr kannst, sondern sieh dir dein neues Leben genau an... es hat noch so viel schönes zu bieten.
Auch wenn du dir das jetzt noch nicht vorstellen kannst, irgendwann lebst du auch wieder glücklich und zufrieden!
LG Lion
Beitrag (#11) von: HeinrichHase am: 03.08.2008 14:30h
lion - mir hat sehr gefallen und beeindruckt was du geschrieben hast- das war mehr als das übliche phrasendreschen
bist sicher ein interessanter mensch
;-) HH
Beitrag (#12) von: Joeryboy am: 03.08.2008 17:53h
Ich seh das genauso wie Liongirl.
ANfangs ist es nie leicht, aber wenn man beginnt den ersten schritt raus dem reha und umpflegt sein trott zu gehen, dann entwickelt sich alles wie von selbst...
wenn man nicht ständig im bett liegt und angst vor einen dekubitus oder hwi hat oder das sonst was passiert geht es einem viel besser - das ist erst dann der fall wenn man acuh was um die ohren hat...und damit meine ich langfristige dinge wie ausbildung studium job etc. und keine kurzfrsitigen beschäftigungen, die einen immer wieder zurückwerfen.
die anzahl der tage an dem man genervt vom ganzen ist nehmen dann automatisch ab, da man keine zeit mehr hat sich darum zu kümmern und damit kehrt auch die freude am leben zurück.
Beitrag (#13) von: Claudia1 am: 03.08.2008 18:30h
Hallo Obstbauer
Ich denke das auch jeder das anderes verarbeitet , wichtig ist das auch, das soziale umfeld stimmt , nicht jeder hat ein umfeld wo er aufgefangen wird , und es hängt auch von dem Leben ab was man vorher führte , ich bin ein Mensch der sich immer viel bewegt hat und nicht auf meinem Hintern sitzen konnte , einer der vorher schon im Büro gearbeitet hat der tut sich da vieleicht leichter und kann auch seinen Beruf wieder aufnehmen , das war bei mir leider nicht so .
Ich bin jetzt im sept vier Jahre im Rolli , die ersten zwei Jahre habe ich auch sehr getrauert und fühlte mich wie in einer Glasglocke , am meisten probleme hat mir mein neues Körpergefühl gemacht , es war mir alles fremd und es war schwer mich so anzunehmen , ich hab mich auch von allem zurückgezogen , aber das brauchte ich auch um mich zu ordnen und auch meiner Trauer einen Platz zu geben .
Meine Tochter kahm dann aufeinmal und hatte mir zwei Kater gebracht und auch mir ging es so wie lion , ich hatte wieder verantworung und die zwei haben mich oft zum lachen gebracht , auch familär musste ich einiges ändern um mein Leben zu finden , und ich bin immer noch dabei ,mittlerweile geniese ich wieder viele Dinge und meine tage nehm ich ganz anders war wie früher , für mich sind viele Dinge nicht mehr so wichtig , ich freue mich über jeden schönen Moment und Augenblick , vorallem mach ich mir keinen stress ein toller behinderter zu sein der alles jetzt im griff hat , sondern ich nehm jeden Tag sowie er kommt und filter was mir wichtig ist und dadurch hab ich auch viel bewegt , jeder ist anders und geht damit anders um .
Nimm dir die Zeit die du brauchst um es zu verarbeiten , aber geb nicht auf , denn das Leben ist durchaus auch im Rolli lebenswert.
Lg Claudia