Experte
Dr. Liliana Tarau
Fachärztin für Anästhesiologie und Schmerztherapie, Schmerzzentrum Wiesbaden
Experte für: 03 Schmerzen
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Frage 22:
Datum: 11.06.2008
Ich bin seit 2005 QS TH 8/9 komplett und leide seit einem Jahr unter zunehmenden Deafferentierungsschmerzen. Seit Oktober 2007 bin ich auf 3x400 mg Gabapentin eingestellt. Anfangs habe ich damit eine deutliche Schmerzerleichterung gehabt. In den letzten Monaten nehmen die Schmerzen aber deutlich zu. Von meinem Arzt habe ich seit 10 Tagen zusätzlich Fluoxetin bekommen, zunächst 1 x 20 mg, seit 2 Tagen 2x20 mg. Ich habe jedoch den Eindruck, dass es unter dieser Medikation zu einer weiteren Zunahme der Schmerzen kommt. Ich habe das Gefühl, in einen Schraubstock eingeklemmt zu sein, der langsam zugedrückt wird, dabei verstärken sich auch deutlich die Missempfindungen in den Beinen. Außerdem leide ich an absoluter Appetitlosigkeit. Mein Arzt meint, dass ich zunächst einen "Spiegel" aufbauen müsse, um eine genaue Aussage machen zu können. Er rät davon ab, zu früh mit dieser Medikation aufzuhören, um sich die Option der Behandlung nicht vorschnell zu nehmen. Wie lange sollte man diesen Medikationsversuch Ihrer Erfahrung nach unternehmen? Meine Schmerzen sind wirklich fast unerträglich.
Antwort:
Deafferentierungsschmerzen stellen tatsächlich ein sehr schwierig zu
behandelndes Problem dar und trotzdem würde ich Ihnen eine Punkte aufzählen,
die man in der Behandlung beachten sollte:
1. Gabapentin ist mit 1200 mg/Tag nicht "ausgereizt"; man kann ruhig höher
gehen (sogar bis 3000 mg/Tag);
2. Gabapentin allein löst sicherlich das Problem nicht, so dass andere so
genannte Koanalgetika zum Einsatz kommen: z.B. Antidepressiva. Ein
Antidepressivum ist Fluoxetin aber leider eines dass in der Schmerztherapie
keine Bedeutung hat. Aus der Gruppe der Antidepressiva sollte man an
Amitriptylin, Doxepin, Trevilor oder Cymbalta denken.
3. Opioide (schwache, bzw. starke) sind eine weitere Option für eine
Kombinationstherapie
WICHTIG: einen Therapeuten finden der Schmerztherapie-erfahren ist und kein
"Hobby"-Therapeut.
Frage 21:
Datum: 11.05.2008
Ich bin Querschnitt C5/6 inkomplett. Am schlimmsten schmerzen die Füße. Ein dauerndes Brennen, Tag und Nacht. Bekomme Neurontin, hab ein Schmerzpflaster 52,5 MG/h, Katadolon u.a. Schmerzmittel in Verbindung mit einem Pharmazeutika. Die Schmerzen gehen nicht weg. Ich habe das Gefühl, ich hätte anstatt Füße einen Betonklotz, der im Feuer liegt!
Was kann ich noch tun? Im Oberkörper hab ich einen Spastikring über dem Zwerchfell und über den Brustkorb, so dass ich teilweise nicht richtig sprechen kann. Mir bleibt schlicht die Luft weg!
Antwort:
Ich nehme an, dass das Pflaster, das Sie zurzeit aufkleben, Transtec
(Buprenorphin)ist; man könnte überlegen Transtec durch Oxygesic zu
Ersetzen - ein Opioid das auf Nervenschmerzen etwas besser wirkt. Bei
Neurontin (Gabapentin) kann man mit der Dosierung bis 2800 mg hochgehen; zu
überlegen wäre auch eine dritte Substanzgruppe und zwar Antidepressiva:
z.B. Amitriptylin oder Cymbalta (macht nicht müde). Ansonsten wenn das nicht
funktionieren sollte: umstellen und eine entsprechende 3-er Kombination
finden (Opioid, Antidepressivum und Antiepileptikum) auf die Sie am besten
ansprechen.
Ein Schmerztherapeut kann Ihnen dabei behilflich sein.


