Experte
Jörg Eisenhuth
Diplom-Psychologe, Psychotherapeut, Werner-Wicker-Klinik, Bad Wildungen
Experte für: 08 Psychologie
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Frage 18:
Datum: 18.02.2008
Ich bin fast 19 Jahre alt und bin zurzeit arbeitslos und genau das ist mein Problem. Mit Anfang meiner Schullaufbahn fing alles an, ich hatte nach einigen Monaten schon ein tierisch unwohles Gefühl in mir, ich wollte da einfach nicht mehr hin. So hatte ich kein Problem, mit den Lehrern und den Schülern war alles super, auch schulisch war ich immer eine der Besten. Nur auf einmal hatte ich Herzrasen, Schweißausbrüche und Angstgefühle. Wenn ich wusste, dass ich wieder in die Schule muss, hatte ich kurz vorher richtige Panikattacken. Das zog sich dann alles bis zur 10. Klasse hin, die ich dadurch sogar abgebrochen hatte.
Mit Beginn des darauf folgenden Vorbereitungsjahres war auch alles wunderbar. Ich dachte jetzt hat sich das gelegt, aber Pustekuchen, nach ca. 3 Monaten brach ich diese Geschichte auch ohne äußerliche Gründe ab.
Dann war ich eine Weile arbeitslos. Fühlte mich richtig gut, die Angst- und Panikstörungen waren wie weggeblasen. Aber ich muss ja dann doch mal irgendwas machen, also suchte ich mir im Callcenter einen Minijob. Das telefonieren machte mir auch voll Spaß, obwohl man den Leuten anmerkte, dass sie total davon genervt sind. Eine gute Freundin war da sogar fast meine Chefin, mit dem Team kam ich auch besonders gut klar. Alles war wirklich toll. Und dann waren diese Störungen in mir wieder da, ich hatte versucht dagegen anzukämpfen, nur das wurde nichts. Somit bin ich jetzt wieder arbeitslos.
Mir gehts jetzt auch voll gut, aber irgendwann muss ich ja mal eine Ausbildung oder so machen, habe aber Angst es wieder abzubrechen.
Nun noch kurz zu meiner Persönlichkeit, ich bin sehr freundlich, lustig, schlau, normalerweise selbstbewusst und wenn ich nicht gerade durch diese Geschichte Depressionen bekomme, fleißig. Also es liegt bei mir auch nicht an Faulheit.
Nun das war es soweit, würde mich freuen wenn sie mir antworten würden, ob das wirklich eine psychologische Krankheit ist und ob man mich dadurch sogar arbeitsunfähig erklären könnte.
Antwort:
Was Sie schildern, ist aus meiner Sicht eine Angst-/Panikstörung, die Sie behandeln lassen sollten. Die Beschwerden, die Sie schildern, sprechen eindeutig dafür. Wo so etwas herkommt, kann man schwer sagen. Es scheint ja immer dann aufzutreten, wenn Sie unter Leistungsdruck geraten. Aber um das genauer zu analysieren, müsste man mehr darüber wissen. Was Sie zurzeit machen, ist charakteristisch für solche Angststörungen, Sie gehen der Angst aus dem Weg. Das Problem dabei ist: Wenn man vor einer Angst wegläuft, verfolgt sie einen und wird immer größer. Daher würde ich Ihnen zu einer psychologischen Behandlung raten. Im Telefonbuch finden Sie ansässige Psychologische Psychotherapeuten. Es gibt auch Selbsthilfebücher, die weiterhelfen können.
Doris Wolf Ängste verstehen und überwinden
Oder Internetseiten:
www.palverlag.de/Angst.html
Arbeitsunfähig können Sie dadurch nicht geschrieben werden, weil Angststörungen gut zu behandeln sind.
Frage 17:
Datum: 11.12.2007
Hallo, ich habe zwei Fragen.
Mein Vater ist ab Hals abwärts gelähmt. Seit dem liegt er auch im Krankenhaus. Die Ärzte geben uns so gut wie keine Chance, dass sich der Zustand verbessert. Bis jetzt wurde mein Vater noch nicht psychologisch betreut! Ist das sinnvoll. Man merkt deutlich, dass er sich von der Außenwelt abkoppelt und das einzige was er immer sagt ist "Scheiße". Wäre nicht eine Betreuung unmittelbar nach feststellen der Diagnose "Querschnittlähmung" sinnvoll.
2.Frage: Meine Tochter ist 4 Jahre alt und hat bis vor den Vorfall ein sehr enges Verhältnis zu meinem Vater. Wie bringe ich dass meiner Tochter bei, ohne sie damit zu überfordern. Sie ist sehr sensibel. Bis jetzt haben wir sie nicht mit ins Krankenhaus genommen, weil er lange auf Intensiv lag.
Antwort:
Ich möchte ihre zweite Frage zuerst beantworten. Wahrscheinlich haben Sie mittlerweile ihrer Tochter erklärt, dass ihr Großvater sehr krank ist. Meine Erfahrung ist, dass Kinder sich schneller darauf einstellen können als Erwachsene. Wenn noch nicht geschehen, nehmen Sie ihr Kind mit, wenn ihr Vater körperlich in der Lage ist, mit ihrer Tochter zu reden. Ihre Tochter wird wahrscheinlich nicht verstehen, wenn Sie ihr sagen, dass ihr Opa sich nicht mehr bewegen kann. Trotzdem wird sie sich darauf einstellen. Dazu muss sie ihn sehen. Manche Kinder haben anfangs Angst wegen der ungewohnten Krankenhaussituation und ihre Tochter wird natürlich ganz genau fühlen, dass die Erwachsenen um sie herum sehr traurig sind.
Zu ihrer ersten Frage:
Zunächst ist die Reaktion ihres Vaters der Situation angemessen. Bei so einer Extremerfahrung ist es normal, dass sich die Menschen zurückziehen. Männer noch mehr als Frauen.
Wenn ihr Vater oft "Scheiße" sagt, zeigt das ja, dass er seine aktuelle Situation sehr genau begreift. So etwas zu verarbeiten, ist ein langer Prozess, der Monate bis Jahre dauert. Anfangs kann sich kein Mensch vorstellen, wie er mit dieser Situation weiterleben kann. Man hat das Gefühl alles verloren zu haben. Erst mit der Zeit entdeckt man, was einem doch geblieben ist: Die Liebe der Menschen, die man selbst liebt. Aber auch die Fähigkeit denken zu können, Entscheidungen zu treffen und wieder ein Gefühl von Selbstständigkeit, selbst wenn man in vielen körperlichen Bereichen von anderen abhängig ist. Eine psychologische Betreuung kann da helfen, ebenso wie eine gute Unterstützung durch Familie und gute Freunde. Wenn sich ihr Vater in einem Spezialkrankenhaus für Querschnittlähmungen befindet, wird es auch Psychologen oder Psychologinnen geben. In anderen Krankenhäusern ist das nicht immer gegeben. Bitten Sie einfach darum, dass ein Psychologe/Psychologin mit ihrem Vater Kontakt aufnimmt. Denken Sie auch daran, dass diese Situation für Sie als Angehörige psychisch genauso belastend sein kann, wie für ihren Vater. Auch Sie könnten, falls erforderlich, psychologische Hilfe in Anspruch nehmen.
Wenn Sie noch weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte wieder an mich.


