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Experte

Dr. med. Harald Burgdörfer

Leitender Arzt des Fachbereichs Neuro-Urologie BG Boberg
Experte für: 02 Urologie & Sexualität


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Frage 287:

Datum: 31.01.2010
Ich bin seit 1998 inkomplett querschnittgelähmt C 5. Ich kathetere mit Einmalkatheter. Nun habe ich seit einiger Zeit fast immer Spontanurin. Mein Blasendruck wurde jährlich in Klinikum Hohe Warte Bayreuth gemessen. Allerdings hatte ich 2009 eine Darm-OP. Wie kann ich den Spontanurin wieder in den Griff bekommen? Welche Medikamente helfen?

Antwort:

Bei Tetraplegie und Entleerung der Blase durch intermittierendes Katheterisieren sollte die Blase durch Medikamente (sog. Anticholinergika) möglichst vollständig ruhiggestellt sein. Ob damit die Blase wirklich vollständig ruhig ist, muss regelmäßig, bei Auftreten von Inkontinenz (bzw. Spontanentleerung) ohne Harnwegsinfekt (HWI) auch zusätzlich mittels Urodynamik (Blasendruckmessung) geprüft werden. Nach dem Ergebnis wird dann die Medikation vom Neuro-Urologen entsprechend angepasst und das Ergebnis einige Wochen später mit neuer Messung überprüft.

Falls Sie schon blasenberuhigende Medikamente nehmen und keinen HWI haben, können Sie ggf. auch schon nach Rücksprache mit dem Hausarzt oder Ihren Urologen in Bayreuth die Dosierung erhöhen oder ggf. ein weiteres Medikament (aus der Gruppe der Anticholinergika) hinzunehmen.

Erst wenn dabei eine Verträglichkeitsgrenze überschritten wird, wäre die Anwendung von z. B. Botox in der Blase zu erwägen.



Frage 286:

Datum: 29.01.2010
Ich (Tetraplegiker C4C5), entleere die Blase regelmäßig über Klopfen. Alle 4 Wochen gebe ich meine Urinprobe beim Hausarzt ab und bitte ihn davon eine Urinkultur anzulegen.

Mein Hausarzt meint nun aber, dass es gar nicht nötig sei immer eine Kultur anzulegen, sondern ein normaler Test (Sediment, Abstrich?) ausreicht und man die Kultur nur jedes zweite Mal anlegen sollte. 1. um die Kostenträger zu entlasten (bei mir BG) und 2. weil ein Abstrich bzw. Sediment bei keinem Befund ja ausreichend sei.

Was schlagen Sie als Experte nun vor, bzw. würde ich mal gerne wissen wo der Unterschied bei den Untersuchungsmethoden besteht und was zuverlässig ist.

Antwort:

Ein behandlungsbedürftiger HWI (Harnwegsinfekt) ist definiert durch eine bestimmte Anzahl von Bakterien im Urin, die per (relativ teure) Urinkultur bestimmt wird, sowie entweder Krankheitszeichen (z. B. Fieber, vermehrte Spastik) und/ oder eine bestimmte Anzahl von weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Urin, die per Teststreifen (vergleichsweise billig) oder im Sediment (also unter dem Mikroskop, auch noch kostengünstig) erfasst werden.

Ich gebe Ihrem Hausarzt völlig recht, dass - solange Sie sich gesund fühlen - nur alle 4 Wochen ein Urintest per Teststreifen oder Sediment erfolgen sollte. Erst wenn hierbei eine erhöhte Anzahl von Leukozyten auffällt (oder Sie sich schon krank fühlen bzw. der Urin trübe ist oder stinkt), ist eine Urinkultur (falls positiv, dann mit Keimdifferenzierung und Antibiogramm, teuer!!)) sinnvoll und erforderlich.

Denn nur in Kombination mit Krankheitszeichen oder vielen Leukozyten im Urin würde man bei positiver Urinkultur eine gezielte Antibiotika-Behandlung einleiten.




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