Medizin und Wissen

SPEZIAL
Neuroregeneration
Inhalt:
Teil 1 - Forschungs-Meldungen
Teil 2 - Durchbruch in der Querschnittlähmungs-Forschung
Teil 3 - Hirnforschung in Zürich
Teil 4 - Von Nervenfaser zu Nervenfaser
Teil 5 - Christopher Reeve-Preis an Martin Schwab
Teil 6 - Hoffnung auf den ersten Schritt
Teil 7 - Neuro-Forschung der Hochschulen mit Novartis
Teil 8 - Und sie wachsen doch
Teil 9 - Institut für Hirnforschung
Teil 10 - Jahresbericht 1998
Teil 11 - Fusion in Zürichs Hirnforschung
Teil 12 - Volldampf für Hirnforschung
Teil 13 - Topqualität und Exzellenz in der Forschung
Teil 14 - Forscher Biographien
Teil 15 - Weitere Infos
Durchbruch in der Querschnittlähmungs-Forschung
Nervenwachstumshemmer aufgeklärt
Vor etwa zehn Jahren hat die Arbeitsgruppe von Prof. Martin E. Schwab am Institut für Hirnforschung der Universität Zürich die Existenz von Proteinen nachgewiesen, die das Wachstum von Nervenfasern und damit die Regeneration verletzter Nervenfasern blockieren. Die präzisen biochemischen und molekularen Eigenschaften dieser Gewebebestandteile waren bisher nicht bekannt. Sie sind nun bei Ratte und Mensch aufgeklärt worden. Dies ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer wenigstens teilweisen Heilung von Querschnittlähmung.
Von Martin E. Schwab
Grosse Verletzungen des Rückenmarks führen zur Querschnittlähmung. Bei diesen Rückenmarksverletzungen werden die Nervenbahnen, die das Gehirn mit dem Rückenmark verbinden (und umgekehrt) unterbrochen. Damit werden die Nervenzentren des Rückenmarks vom Gehirn abgekoppelt; Befehle aus dem Gehirn erreichen das Rückenmark nicht mehr und der Patient ist querschnittgelähmt. Biologisch beruht die fehlende oder nur beschränkt vorhandene Spontanheilung einer Querschnittlähmung auf der Tatsache, dass die abgeschnittenen oder abgequetschten Nervenfasern nicht nachwachsen können.
Erstaunliche Erholung möglich
Den Wachstumshemmern, die in den Hüllen der Nervenfasern in Gehirn und Rückenmark zu finden sind, kommt in Bezug auf dieses fehlende Regenerationsvermögen eine grosse Bedeutung zu. Dies konnte im Tierexperiment eindrücklich gezeigt werden: Erwachsene Ratten, bei denen die Wachstumshemmer durch einen spezifischen Antikörper ausgeschaltet wurden, zeigten ein spontanes Nachwachsen der verletzten Nervenbahnen über weite Strecken des Rückenmarks. Im Verhaltenstest - beim Laufen, Klettern, Futterkügelchen-Ergreifen und -Essen - zeigten diese Tiere erstaunliche funktionelle Erholungen. Das Vorkommen solcher Wachstumshemmer im Rückenmark von Menschen wurde vor drei Jahren nachgewiesen, aber deren genaue Identität blieb im Dunkeln.
Gezieltes Produzieren und Testen von Antikörpern In einer Publikation in der Ausgabe von «Nature» vom 27.1.2000 (Bd. 403, S. 434-439) beschreibt die Arbeitsgruppe von Martin E. Schwab nun die exakte molekulare Zusammensetzung des wichtigsten Nervenwachstums-Hemmstoffes, der Nogo-A getauft wurde. Es handelt sich dabei um ein neuartiges Protein, das in den Membranen der Nervenhüllen lokalisiert ist. Nogo-A der Ratte ist weitgehend identisch mit dem entsprechenden Nogo-A des Menschen.
Für die Entwicklung neuer therapeutischer Verfahren, um Querschnittgelähmten oder hirnverletzten Patienten eine zumindest teilweise Heilung zu ermöglichen, sind diese Befunde von grösster Wichtigkeit. Es können nun gezielt Antikörper und andere Reagenzien produziert und ausgetestet werden, die die Wirkung dieser Wachstumshemmer aufheben. Die Zürcher Arbeitsgruppe hat enge Verbindungen und Zusammenarbeiten mit Forschungsgruppen in den USA, in England, Deutschland und Italien, um dieses Ziel möglichst rasch zu erreichen.
aus:
http://www.unipublic.unizh.ch/gesundheit/nervenwachstum...
Artikel empfehlen
Artikel als PDF
Druckansicht

