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Autofahren mit Behinderung

 

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Autofahren mit Behinderung
 
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ERFAHRUNGSBERICHTE

Hallo Leute!

Ihr sucht Behinderte, die Auto fahren und wollt wissen, welche Erfahrungen man gemacht hat.

Ich hatte einen Sportunfall, aus dem eine Schwerbehinderung hervorgegangen ist. Diese besteht darin, daß ich eine inkomplette Querschnittlähmung habe. Ich kann mit zwei Unterarmgehstützen mehr schlecht als recht laufen. Deshalb kann ich nicht die Pedale bedienen, die zum Autofahren nötig sind. Auf längeren Strecken benutze ich einen Rolli, den ich im Kofferraum verstauen kann.

Ich hatte schon vor meinem Unfall einen Führerschein, da war das Ganze etwas anders als in euerem Informationstext beschrieben. Außerdem ist die Verfahrensordnung für die Vergabe von Fahrerlaubnissen sehr unterschiedlich.

Wie schon gesagt: Ich hatte einen Führerschein und bin immer mit dem Bus gefahren. Da nun eine Umschulung anstand, mußte ich ja irgendwie mobiler werden. Da gab mir der Busfahrer einen Tip, er habe selber eine behinderte Tochter (einseitige Armaputation), ich solle mich bei der Führerscheinstelle vorstellen. Das tat ich auch alsdann. Die junge Dame war sehr erstaunt und fragte mich, ob ich denn wirklich Autofahren wolle. Was ich bejahte. Sie erklärte mir, daß zunächst eine amtsärtzliche Untersuchung stattfinden würde. Das Ergebnis würde dem TÜ-Hessen mitgeteilt, der würde die nächsten Schritte veranlassen.

Nach etwa 4 Wochen bekam ich ein Schreiben, in dem mir ein Termin für die Vorstellung bei einer Untersuchungsstelle angegeben war. Ich sollte ein umgebautes Fahrzeug mit Doppelfunktion, das heißt auf gut deutsch einen Fahrschulwagen und einen Fahrlehrer nach Wahl, mitbringen. Jetzt ging die Suche los, woher nehmen und nicht stehlen.

Da ich mit einem Fahrlehrer befreundet bin, habe ich mich an diesen gewandt, der mir eine Adresse gab. Diese Fahrschule besitze ein solches Fahrzeug. Diese Fahrschule rief ich an und machte einen Termin mit dem Fahrlehrer aus. Bei unserem ersten Treffen erklärte er mir erst einmal die weitere Verfahrensweise. Er hat den Termin für die Vorstellung verschoben. Ich sollte erst einmal einige Fahrstunden machen, um mich an ein umgebautes Fahrzeug zu gewöhnen. Diesen Vorschlag fand ich annehmbar. Wir machten insgesamt drei Fahrstunden.

Nach der dritten Fahrstunde fuhren wir zur Prüfstelle, der Prüfer, ein einfacher Ingenieur, stieg ein, und wir machten eine Testfahrt. Auf dieser Fahrt wurde geprüft, was und welche Zusatzbauteile ich benötigte. Nach etwa 20 Minuten wurde die Fahrt abgebrochen, und wir fuhren zurück. Der Prüfer füllte einen Prüfbericht aus. Diesen legte ich bei der Zulassungsstelle vor, und die Umbauten wurden in meinen Führerschein eingetragen.

Das waren im einzelnen:
Gas und Bremse darf ich nur mit der Hand betätigen,
für das Lenkrad bekam ich einen Knopf,
Automatikgetriebe,
ich darf nur Fahrzeuge bis 3,5 t fahren, keine Personenbeförderung (Taxifahrten gewerblich), aber ich darf fahren mit Anhänger.

Als Kosten entstanden 30 DM für die ärztliche Untersuchung und etwa 250 DM für die Fahrschule.

Anschließend erkundigte ich mich, welche Stelle mir welche Zuschüsse für ein Fahrzeug bewilligt. Man kann Zuschüsse vom Arbeitsamt bekommen, aber auch die Rentenversicherungsträger zahlen Zuschüsse. Aber das funktioniert nur, wenn man arbeitet oder eine Ausbildung macht.

Nur diese Stellen winden sich wie Aale, um nur nicht zu bezahlen. Ich muß sagen, ich war mittlerweile am Umschulen, und man machte mir den Vorschlag, daß man mir zweimal im Monat den Transport mit dem Taxi bezahlen würde. Ich hatte das mal grob durchgerechnet, das wären etwa 20.000 DM gewesen. Aber ich wollte ja unbedingt Autofahren und habe den Beamten meine Rechnung vorgelegt, nach 4 Wochen bekam ich einen Bewilligungsbescheid. Ich sollte erst einen Kostenvoranschlag einreichen, Fahrzeugkosten, Umbaukosten.

Mein nächster Weg führte mich zu einem Autohaus (ich muß dazu sagen, daß ich vor meinem Unfall als Kfz-Mechaniker dort gearbeitet habe und die Materie kannte). Als erstes wurde das Auto ausgesucht, anschließend ging es an den Umbau. Jetzt kam die große Frage, was und woher. Der Autoverkäufer war doch recht überfordert. Aber ich hatte mir schon einige Adressen herausgesucht, und wir haben uns an die Firma Petry und Leer in Offenbach gewandt, die haben uns verschiedene Umbaumöglichkeiten vorgestellt und über die Vorteile und Nachteile aufgeklärt.

Dann wurde der Kostenvoranschlag bei der LVA eingereicht und bewilligt, ich bekam 18.000 DM für das Fahrzeug und den kompletten Umbau bezahlt, das waren etwa 2.500 DM. Bei der Bewilligung wurde ich darauf hingewiesen, daß es besser wäre, das Fahrzeug Vollkasko zu versichern, und daß ich nach 5 Jahren einen neuen Antrag stellen könne.

Das neue Fahrzeug wurde vom Autohaus umgebaut und beim TÜ-Hessen vorgeführt, und die Sache war erledigt.

Später erfuhr ich, daß die großen Autohersteller eigene Abteilungen besitzen, die Behinderte beraten und die Umbauten sogar ab Werk vornehmen. Ich hatte in diesem Fall ein sehr langes informatives Gespräch mit einem Mitarbeiter von der Firma Ford. Wenn ich mir das nächste Mal ein neues Fahrzeug anschaffen würde, sollte ich den Verkäufer oder das Autohaus darauf hinweisen.

Alles in allem kann ich sagen, wenn man hartnäckig ist und weiß, daß es Möglichkeiten gibt und nicht gerade mundfaul ist, gibt es viele Möglichkeiten.

Aber es ist nicht nur die Fahrerlaubnis, der Kampf um Parkplätze, die erste Zeit habe ich jede Menge Strafmandate bekommen, für Parken auf Behindertenparkplätzen trotz Behindertenausweis und Parkgenehmigung. Aber das ist wohl ein anderes Thema

Ich stehe für weitere Informationen gern zur Verfügung.

eMail: Externer LinkLotharHoet-Korbach@t-online.de

Bis bald Euer Lothi
7. Januar 2000

 

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