Mobilität

LEBEN & WOHNEN
Rollstühle
Inhalt:
Teil 1 - Was gibt's?
Teil 2 - Zusatzantriebe
Teil 3 - Kissen/Sitzsysteme
Teil 4 - Rund um den Rollstuhl
Teil 5 - Beratung
Beratung
Wie entscheide ich mich für den richtigen Rollstuhl, wenn ich aus dem Katalog wählen muss?
Gar nicht! Fluchtartig den Laden verlassen und den Händler wechseln!
Auf was muss ich bei einer Rollstuhlversorgung achten?
- Dass zum Beratungstermin einige Rollstühle zum Ansehen und Ausprobieren vorhanden sind.
- Dass mir alle Funktionen des Rollstuhls genau erklärt werden.
- Dass möglichst alle Funktionen des ausgewählten Rollstuhls selbstständig bedient werden können (Zusammenklappen, Seitenteile entfernen, Beinstützen entfernen, Bremsen betätigen).
- Ob mit dem ausgewählten Rollstuhl der Transfer möglich ist oder Teile stören wie Seitenteilaufnahme, Bremsen etc.
- Ob mir oder meiner Begleitperson eine Autoverladung möglich ist.
- Dass mir alle Maße, Ausstattungsmerkmale und Zubehör gründlich erklärt werden.
- Ob mir der Rollstuhl gefällt (nur dann wird man sich wohlfühlen).
- Dass mir Infomaterial mitgegeben wird.
- Dass das Maßblatt vom Händler in meinem Beisein Schritt für Schritt ausgefüllt wird und ich eine Kopie bekomme.
- Ob wirklich alles Zubehör sinnvoll ist, d.h. ob es sich bei Nachfrage vor der Krankenkasse vertreten lässt.
Die Frage nach dem richtigen Rollstuhl lässt sich nur unter Berücksichtigung der individuellen Anforderungen beantworten. In welchem Rollstuhl erreiche ich eine bessere Sitzposition? Ist mir Fahrkomfort wichtig (spricht für Faltrollstuhl), oder habe ich nur geringe Kräfte, die ich optimal nutzen muss (Starrer Rollstuhl)? Wenn es sich um einen reinen Schieberollstuhl handelt, mit welchem Rollstuhltyp kommt dann meine Begleitperson am besten zurecht?
Worauf sollte ich bei der Auslieferung eines Hilfsmittels achten?
Niemand muss es sich gefallen lassen, ein Hilfsmittel wie einen Rollstuhl im Karton vor die Tür gestellt zu bekommen. Der Anspruch, dass man sich beim Abholen oder Anliefern in den Rollstuhl setzt und überprüft, ob alles passt, ist nicht zu viel verlangt.
Also, alles erklären lassen und vor der Unterschrift alles ausprobieren und eventuell nötige Einstellungen vornehmen lassen!
Welche Einstellmöglichkeiten hat ein guter Rollstuhl?
- Sitzneigung: Der Höhenunterschied zwischen vorderer Sitzhöhe und hinterer Sitzhöhe (Faustregel: Je höher die Querschnittlähmung ist, desto stärker muss das Sitzgefälle nach hinten sein).
- Anpassung der Rückenbespannung: Kein Rücken ist gerade, sondern hat eine anatomische Form, an die die Rückenbespannung angepasst werden muss.
- Winkel zwischen Rückenlehne und Sitzfläche: Meist nur beim starren Rollstuhl möglich. Es soll kein Liegestuhl werden, jedoch darf die Lehne auch nicht nach vorne drücken.
- Radstand: Hiermit stellt man die Kippligkeit des Rollstuhls ein. Wird das Rad weiter nach vorn gestellt, wird der Rollstuhl leichter fahrbar und wendiger, aber auch kippliger. Eventuell kann man zunächst mit Stützrädern fahren.
- Winkel der Fußraste: Es sollte keine Spitzfußstellung entstehen, weshalb die Fußraste verstellbar sein muss.
- Armauflagen: Wenn Armauflagen vorhanden sind, sollten diese auch in der Höhe eingestellt werden und zwar so, dass der Ellenbogen aufliegt und abgestützt werden kann
Wie sollte ich im Rollstuhl sitzen?
Am wichtigsten ist, dass man mit einem entspannten und sicheren Gefühl im Rollstuhl sitzt und fährt. Es hat keinen Sinn, sich ständig am Rollstuhl festzuhalten oder sich darauf zu konzentrieren, dass man nicht herausfällt. Die dafür genutzte Energie steht nicht für andere Aktivitäten zur Verfügung, was auf Dauer nicht zufrieden machen kann. Wenn man auch versuchen sollte, so aufrecht wie möglich zu sitzen, so gibt es doch persönliche anatomische Grenzen, so dass man die Lehrbuchanweisungen nicht immer befolgen kann. Die Sitzposition sollte aber möglichst symmetrisch sein, da eine schiefe Haltung auf Dauer zu Schmerzen führt und sogar eine Druckstelle begünstigen kann, da dann meist eine ungleichmäßige Belastung der Sitzbeine vorhanden ist. Außerdem sollte eine Position gefunden werden, in der möglichst wenig Spastik ausgelöst wird.
Wie sollte der Rollstuhl ausgemessen werden?
Alle Maße sollten in einer aufrechten und bequemen Sitzhaltung bestimmt werden, möglichst in dem ausgesuchten Rollstuhlmodell.
Beim Bestimmen der Sitzbreite sollte an beiden Seiten neben dem Becken gerade noch eine Hand (vertikal, nicht horizontal) Platz haben. Lässt man zu viel Platz zwischen den Seitenteilen und dem Körper, fehlt im Rollstuhl der Halt. Es darf jedoch kein Druck seitlich auf das Becken entstehen.
Um die Länge der Sitzfläche (Sitztiefe) auszumessen, muss man wirklich hinten an der Bespannung sitzen und sollte dann eine gute Auflagefläche für die Oberschenkel haben. Zwischen Bespannung und Sitzfläche sollte etwa eine Handfläche Platz sein.
Die Rückenhöhe ist stark abhängig vom Trainingszustand oder Einsatzbereich des Rollstuhls. Der Sportrollstuhl wird sicher eine kürzere Rückenlehne haben, da man beim Sport sehr viel Bewegungsfreiheit braucht und sehr aktiv ist. Sitzt man den ganzen Tag im Büro, wird man im Laufe des Tages ermüden und eine aufrechte Haltung nur mit einer höheren Rückenlehne realisieren können.
Grundsätzlich sollten die Schulterblätter frei bleiben, um den Armen ein großes Maß an Bewegungsfreiheit zu ermöglichen. Meist reicht es, die Rückenlehne circa 5 Zentimeter unter den Schulterblättern enden zu lassen. Wie tief eine Rückenlehne sein darf, hängt stark vom individuellen Sicherheitsbedürfnis ab und natürlich von der Lähmungshöhe.
Auf jeden Fall ist zu bedenken, auf welchem Kissen man sitzt, da es hier große Unterschiede in der Höhe gibt.
Links zu Herstellern
http://www.sopur.de
http://www.ottobock.de
http://www.meyra.de
http://www.etac.de
http://www.alber.de
http://www.petri-lehr.de
http://www.ortopedia.de
http://www.medizin.li
Verfasserin: Sabine Biedermann, Januar 2001
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