Schule, Beruf & Studium

ARBEIT & BERUF
Orientierung
Eine wesentliche Entscheidung am Anfang einer beruflichen Rehabilitation ist die Wahl des neuen Berufes; sie ist die Basis für Erfolg und Zufriedenheit in der Ausbildung und am späteren Arbeitsplatz.
Inhalt:
Teil 1 - Berufsfindung
Teil 2 - Betriebliche Integrations Maßnahmen
Teil 3 - Reha- Vorbereitung
Teil 4 - Teil- und Zusatzqualifizierung
Teil 5 - Berufsförderungswerke
Berufsfindung
Berufsfindung und Arbeitserprobung
Die Berufsfindungsmaßnahmen des Berufsförderungswerkes Hamburg haben das Ziel, Berufswahlentscheidungen herbeizuführen, die insbesondere auf die individuellen Behinderungsauswirkungen abgestellt sind, die gleichzeitig aber auch die persönlichen Neigungen und Wünsche der Rehabilitanden/innen, unter Berücksichtigung des Arbeitsmarktes, mit einschließen. Sie schaffen darüber hinaus Voraussetzungen für eine realistische Selbsteinschätzung und tragen dazu bei, Fähigkeitspotentiale aufzudecken. Weitere Leitgedanken der Maßnahme sind:
- individuelles Vorgehen, bei dem die Stärken und Schwächen der Teilnehmer/innen durch auf sie abgestimmte Arbeiten berücksichtigt werden
- Gruppenarbeit zur Hinführung auf die Berufswahl und zur Nutzung des Potentials an beruflichen Kenntnissen
- ganzheitliches Vorgehen.
Betreut, beraten und untersucht werden die Teilnehmer/innen während der gesamten Erprobung durch Gruppenleiter/innen, Psychologen/innen und Ärzte/innen, die am Ende der Maßnahme einen oder mehrere gutachterliche Ausbildungsvorschläge erstellen und gegebenenfalls andere Empfehlungen dokumentieren.
Berufsfindung (BF)
Dauer der Maßnahme: 2 Wochen
Gruppengröße: 17 Teilnehmer/innen
Der Einstieg
In einem 1 ½-tägigen Einstiegsmodul erarbeiten sich die Teilnehmer/innen einzeln und in Gruppen ihren persönlichen Berufsweg und ihre Arbeitsschwerpunkte. In psychologischen Einzelexplorationen geht es im wesentlichen um folgendes: Vertiefung der Berufswegbetrachtung, Klärung der Behinderungsbewältigung, Besprechung der derzeitigen Lebenssituation, Erhellung konkreter Belastungs- und Problemfelder, Abklärung der Umschulungsmotivation und der Berufswünsche, Diagnostizierung der Belastbarkeit.
Parallel dazu finden arbeitsmedizinische Untersuchungen statt mit folgenden Schwerpunkten: Anamneseerhebung unter besonderer Berücksichtigung des Arbeitslebens, Feststellung der Befunde und des verbliebenen Leistungsvermögens, Einschätzung der körperlichen und psycho-vegetativen Belastbarkeit, umfassende Diagnose der Bildschirmtauglichkeit auf der Grundlage der geltenden berufsgenossenschaftlichen Vorschriften und - im Bedarfsfall - allergologische Hauttestverfahren, die differenzierte Aussagen zur Berufswahl bei allergischen Haut- und Atemwegserkrankungen erlauben.
Arbeitseinheiten nach Selbstwahl
Am Ende des Einstiegsmoduls entscheiden sich die Rehabilitanden/innen unter Berücksichtigung arbeitsmedizinischer Gesichtspunkte für zwei dreitägige Erprobungsmodule, in denen sie jeweils mehrere Berufsbilder aus einem Berufsfeld durch aktuelle, repräsentative Arbeiten kennenlernen. Sollten sich im Verlauf der Berufsfindung neue Erkenntnisse ergeben, kann die Modulwahl verändert werden.
Wenn sich ein/e Teilnehmer/in für kein Erprobungsmodul entscheiden kann, besteht die Möglichkeit, ein dreitägiges Orientierungsmodul zu wählen, in dem unter anderem die Entscheidungsprobleme aufgearbeitet werden. Ein prozeßhafter und individueller Ablauf der Maßnahme ist auch dadurch gegeben, daß Aufgaben mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden gestellt werden. Die Arbeiten werden einzeln angeleitet und mit Selbstlernanteilen vorgegeben.
Folgende Erprobungsmodule werden angeboten:
- kaufmännisch-verwaltender Bereich
- Zeichentechnik (Bau- und technisches Zeichnen)
- Elektrotechnik
- Metall- und Meßtechnik.
Außerdem können erprobt werden:
- Optik
- Goldschmied
- handwerkliche Gesundheitsberufe wie Zahntechnik, Orthopädiemechaniker
- Druck- und Grafikdesign.
Im Einzelfall kann abgeklärt werden, ob die Eignung für eine Ausbildung auf Technikerniveau in den Bereichen Bau-, Maschinen-, Umweltschutz- und Elektrotechnik gegeben ist.
Hospitanz oder Praktikumsmöglichkeiten außerhalb des Berufsförderungswerks Hamburg
bestehen vor allem in den Bereichen:
- Landschaftsgärtnerei
- Floristik
- Alten- und Pflegebereich
- Medizinisch-technischer Bereich.
Darüber hinausgehende Erprobungen vor Ort können nach Absprache ermöglicht werden.
Berufsfindung für hörbehinderte Rehabilitanden/innen (BFH)
Dauer der Maßnahme: 4 Wochen
Gruppengröße: 6 Teilnehmer/innen
Diese Maßnahme ist sowohl für Hörgeschädigte (Schwerhörige, Spätertaubte) als auch Hörsprachgeschädigte (Gehörlose, Frühertaubte) entwickelt worden. Das Mitarbeiter-Team besitzt neben den üblichen Fachkenntnissen in der Berufsfindung ein fundiertes Wissen über Hörbehinderungen und die damit verbundenen Probleme sowie Grundkenntnisse in der lautsprachlichen Gebärde. Das Arbeitsmaterial und die Unterweisungen sind auf die Einschränkungen dieses Personenkreises zugeschnitten. Hierbei werden auch die Einsatzmöglichkeiten technischer Hilfsmittel überprüft. In besonderem Maße werden die sprachliche Kompetenz und das Verständigungsvermögen berücksichtigt. Hierdurch wird letztlich die Form der Umschulung bestimmt. Geklärt wird, ob eine Ausbildung mit technischen Hilfsmitteln in einer Klasse mit Hörenden möglich ist, ob ein Dolmetscher erforderlich ist und ob eine Ausbildung in einer Kleingruppe mit nur Hörbehinderten notwendig ist.
Berufsfindung für psychisch behinderte Rehabilitanden/innen (BFP)
Dauer der Maßnahme: 3 Wochen
Gruppengröße: 8 Teilnehmer/innen
Diese Maßnahme richtet sich an Rehabilitanden/innen mit psychischen Vorerkrankungen und/oder psychischen Behinderungen. Sie beginnt mit angeleiteten gruppendynamischen Übungen zum Kennenlernen untereinander und zum Vertrautwerden mit dem Umfeld. In mehreren Stufen wird der bisherige Werdegang erarbeitet mit dem Ziel, zu einer neuen Perspektive zu kommen. Unter Berücksichtigung der individuellen Fähigkeiten, Interessen, aber auch Einschränkungen werden individuelle Möglichkeiten für den zukünftigen Beruf erarbeitet. Gruppenarbeiten zu berufskundlichen Informationen nehmen einen breiten Raum ein. Dieser Einstieg in die Berufsfindung wird - verglichen mit der regulären Berufsfindung - sehr viel intensiver gestaltet. Ausführliche psychologische Explorationen und medizinisch-psychiatrische Untersuchungen sind weiterer Bestandteil der ersten Woche, an deren Ende Grundarbeiten aus den kaufmännisch-verwaltenden, Elektro-, Zeichen- und metalltechnischen Bereichen beginnen; diese werden - im Wechsel - bis zum Ende der zweiten Woche weitergeführt. In der dritten Woche wird in einem Neigungsbereich vertieft gearbeitet.
Arbeitserprobungen (AP)
Dauer der Maßnahme: im allgemeinen 5 Tage
Neben den Berufsfindungsmaßnahmen bietet das BFW Hamburg individuell auch Arbeitserprobungen an, bei denen es gilt, einen speziellen Berufsbereich oder gezielt einen Beruf abzuklären. Abgestimmt auf den Einzelfall erfolgt die Erprobung in den Räumen der regulären Berufsfindung und/oder in den Praxisräumen des Ausbildung. Die Maßnahme wird begleitet von psychologisch-beratenden Gesprächen, um unter anderem sicherzustellen, daß der gewählte Erprobungsbereich den Neigungen und Fähigkeiten der Teilnehmer/innen auch tatsächlich entspricht. Arbeitsmedizinische und eignungspsychologische Untersuchungen werden in Einzelfällen zusätzlich durchgeführt.
Berufsfindung für mehrfach behinderte Rehabilitanden/innen
Dauer der Maßnahme: 4 Wochen
Gruppengröße: 6 Teilnehmer/innen
Diese Berufsfindung richtet sich an Teilnehmer/innen mit besonders schweren bzw. mehrfachen Behinderungsauswirkungen (z. B. Tetraspastiker, Schädelhirntraumatiker). Die geringe Gruppengröße ermöglicht es den Ergotherapeuten/innen, die den praktischen Teil dieser Maßnahme durchführen und begleiten, in besonders individueller Weise auf die oft sehr eingeschränkten verbleibenden (Leistungs-) Möglichkeiten der Teilnehmer/innen einzugehen. In der ersten Woche finden psychologische Explorationsgespräche und arbeitsmedizinische Eignungsuntersuchungen statt. Die danach folgende praktische Erprobung orientiert sich an den individuellen Fähigkeiten und Neigungen der Rehabilltanden/innen. Durch eine besonders enge Kooperation aller an dieser Maßnahme teilnehmenden Fachkräfte sowie durch kontinuierliche Gruppengespräche ist ein reibungsloser Prozeßablauf gewährleistet, der in jedem Einzelfall das Ziel hat, gemeinsam Berufsvorschläge zu erarbeiten, die den besonderen behinderungsbedingten Problemen dieses Personenkreises gerecht wird.
Quelle: Berufsförderungswerk Hamburg GmbH
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