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SPORT | 10.12.2000

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Der Traum vom Tauchen

 

Die faszinierende und geheimnisvolle Unterwasserwelt zu entdecken, völlig schwerelos durch Schwärme bunter Fische zu gleiten, Korallenriffe und Schiffswracks zu erkunden, wer hat davon nicht schon geträumt?

Inhalt:
Teil 1
Teil 2»
Teil 3»

Das Leben im Meer aus nächster Nähe zu beobachten und sich in der grenzenlosen Freiheit des Raumes treiben zu lassen, ist eines der faszinierendsten Erlebnisse, die man sich vorstellen kann. Ein Abenteuer, das nahezu jeder erleben kann - doch viele wissen es gar nicht.

 
Foto: Korallen unter Wasser
Die wunderschöne Unterwasserwelt ist Grund genug, um das Tauchen zu erlernen.

Es gibt kaum eine Sportart, die so gut für behinderte Menschen geeignet ist wie das Tauchen. Das einmalige Gefühl der Schwerelosigkeit unter Wasser und die Bewegung ohne Hilfsmittel wirken befreiend, nicht nur auf Menschen, die im Alltag in ihrer Bewegungs-freiheit eingeschränkt sind.

 

Wer kann tauchen?

Bevor man sich für diese Sportart entscheidet, muss man sich mit der Frage auseinandersetzen, ob man psychisch und physisch in der Lage ist zu tauchen, ohne sich und andere in Gefahr zu bringen. Aus diesem Grunde ist es unbedingt erforderlich, die persönliche Tauglichkeit von einem qualifizierten Taucharzt prüfen zu lassen. In die Entscheidung sollte auch der behandelnde Arzt einbezogen werden, da dieser den Patienten ganz genau kennt.

Die einzige körperliche Voraussetzung für alle Taucher ist, dass Herz und Kreislauf, Atemwege, Stirn- und Nebenhöhlen und Ohren nicht beeinträchtigt sind. Dies gilt für alle Taucher, mit und ohne Behinderung. Einschränkungen gelten allerdings für Diabetiker und Asthmatiker. Besteht die Gefahr von Krampfanfällen, sollte auf das Tauchen verzichtet werden.

Die Tauchtauglichkeit von behinderten Menschen anhand einer simplen Checkliste nachzuweisen, ist wohl unmöglich. Aufgrund der vielfältigen Arten der Behinderungen und deren Auswirkungen auf den Tauchsport ist neben der Beurteilung des Taucharztes auch die Meinung von Tauchausbilder und -begleiter zu berücksichtigen. Beim Tauchen kommt es vor allem auf das gegenseitige Vertrauen an, weshalb alle Beteiligten sich einig sein sollten, ob sie gemeinsam tauchen wollen.

Eine praktische Faustregel zur Ermittlung der Tauchtauglichkeit sind die drei "Jas":

 
  • Will ich tauchen?
  • Ist mein Arzt einverstanden?
  • Kann mein Tauchlehrer es verantworten, mit mir tauchen zu gehen?
 

Wenn diese drei Fragen mit "Ja" beantwortet werden können, dürfte der Tauch-Karriere eigentlich nichts mehr im Wege stehen.

 

Wo kann man tauchen?

Bei der Suche nach Tauchschulen, die behindertengerecht ausbilden, informiert man sich am besten bei einer der übergeordneten Organisationen für Behinderten-Tauchsport. Die wohl bekannteste ist die Handicapped Scuba Association (HSA), die 1981 von Jim Gatacre in Kalifornien gegründet wurde. Heute bildet ein internationales Netz von über 1.000 speziell ausgebildeten Tauchlehrern in mehr als 30 Ländern nach den Richtlinien der HSA aus. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Tauchschulen, die nach den HSA-Richtlinien ausbilden.

Auch die "International Association for Handicapped Divers" (IAHD) und die "Handicapped Diving Association" (HDA) sind Organisationen, die Tauchkurse für behinderte Menschen anbieten. Ein Schwerpunkt dieser Organisationen liegt in der Ausbildung von - speziell für die Arbeit mit Behinderten qualifizierten - Tauchlehrern.

 

Regionale Tauchverbände

Viele regionale Tauchverbände versuchen behinderte Menschen in ihre Vereine zu integrieren, indem sie spezielle Tauchkurse anbieten. Auch wenn dies ein guter Ansatz zur Integration ist, sollte man darauf achten, ob die Tauchlehrer tatsächlich qualifiziert genug sind, um auch Menschen mit Handicap unterrichten zu können.

 

In Lüneburg:

Foto: Zwei Taucher im Pool
Im Pool lernen die Tauchschüler alles, was später im offenen Meer lebenswichtig sein kann.

In Lüneburg:
Seit 1992 finden in Lüneburg regelmäßig Tauchkurse für Körperbehinderte statt. Die langjährige Erfahrung des Tauchlehrers Magdi Aziz und seines Teams garantiert Sicherheit und Spaß beim Erlernen dieser Sportart. Neben der Theorie machen die Anfänger die ersten praktischen Erfahrungen im Pool, bevor sie sich zum ersten Mal in einen See wagen. Auch Tauchreisen ins Ausland werden hier angeboten.

Informationen zum Angebot der Tauchschule "LÜNEdive" bekommt Ihr von Magdi Aziz. Schreibt einfach eine email an MagdiAziz@aol.com.

 

In Bayern:

Inzwischen hat die HSA auch einen Stützpunkt in Oberbayern. Hier kann man seine Tauchausbildung während des Urlaubs absolvieren. Michael Feiks organisiert Kurse und Tauchbegleitung sowie Kuzreisen zu behindertengerechten Tauchplätzen in Kroatien. Genaue Informationen sind bei Michael Feiks, Gschwall 7a in 83334 Inzell erhältlich.

 

In Österreich:
Auch in Österreich ist die HSA seit August 2000 vertreten. Gleich fünf Tauchlehrer der Tauchschule "Pazifik" absolvierten im Sommer ein Instructor-Training. Damit steht ab sofort auch in der Steiermark ein starkes Team für die Ausbildung und Tauchbegleitung von behinderten Menschen zur Verfügung. Am Badesee Copacabana Beach in Kalsdorf bei Graz steht eine komplette behindertengerechte Infrastruktur zur Verfügung. Informationen gibt es unter Externer Linkhttp://www.pazifik.at.

 

In Deiner Nähe:

Um herauszufinden, ob es einen geeigneten Tauchverein in Deiner Nähe gibt, schau doch einfach in die Blauen Seiten. Das ist eine Art Telefonbuch für Taucher, das Ihr unter Externer Linkhttp://www.tiefenrausch.de findet.

 

Die Ausbildung

Eine qualifizierte Ausbildung ist Voraussetzung für jeden Taucher. Die Ausbildung besteht aus Theorie und Praxis, und es können verschiedene Zertifikate erlangt werden.

Um den speziellen Bedürfnissen körperbehinderter Taucher gerecht zu werden, entwickelte die HSA ein Programm physischer Leistungsstandards, an Hand derer der Grad der Abhängigkeit des behinderten Tauchers von seinem Tauchpartner, seine Fähigkeit, Notsituationen zu bewältigen und anderen Tauchern zu helfen, beurteilt wird.

Ein Level A Taucher ist beispielsweise berechtigt, unabhängig mit einem Partner zu tauchen. Level B erfordert die Begleitung durch mindestens zwei Partner, Level C setzt außerdem voraus, dass einer der beiden Tauchpartner mindestens als Rescue Diver ausgebildet ist.

Viele Schüler erwerben nach erfolgreichem Abschluss des HSA Open Water Programms (als Level A, B oder C Taucher) die Advanced Open Water Zertifizierung.

Eine gemeinsame Ausbildung ist grundsätzlich zu begrüßen. Kritisch, wenn nicht gar gefährlich, wird eine Zertifizierung durch Nichtbehindertenverbände jedoch, wenn Handicap-Taucher dieselbe Ausbildung durchlaufen wie ihre nichtbehinderten Partner, ohne dass behinderungsspezifische Fertigkeiten trainiert werden. Der Unterricht muss in ganz individueller Weise auf den Tauchschüler abgestimmt sein, da Gefahren auftreten können, an die der nicht-behinderte Taucher nicht denkt.

 
Foto: Tauchschule unter Wasser
Beim Tauchen kommt es vor allem auf Teamwork an. Die Tauchpartner müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein.

Auch hinsichtlich der Ausrüstung dürfen keine Kompromisse eingegangen werden. Sie muss perfekt auf die individuellen Voraussetzungen abgestimmt sein und körperliche Einschränkungen bestmöglich ausgleichen. Dies reicht von speziellen Tariersystemen über Flossenhandschuhe bis zu sprechenden Computern für Blinde. Selbst wenn ein Handicap-Taucher sein Equipment nicht persönlich vorbereiten kann, muss er Funktion und Sitz der Ausrüstung beurteilen und den Tauchpartner in die richtige Handhabung einweisen können.

 

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