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SPORT | 18.10.2000

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Sydney 2000

 

Inhalt:
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BILANZ

Das Licht ist aus, wir gehen nach Haus...

 
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Am Sonntag erlosch das Paralympische Feuer in Sydney bei einer überwältigenden Abschlussfeier vor 110.000 Zuschauern. Im ausverkauften Olympia-Stadion verabschiedete sich Australien von den Sportlern aus aller Welt.

Auch wenn die Deutsche Mannschaft mit 15 Goldmedaillen, 42 mal Silber und 38 mal Bronze nur den zehnten Platz der Nationenwertung erreichte, kehrten die Sportlerinnen und Sportler als Sieger nach Hause zurück, denn bei den "besten Paralympics aller Zeiten" dabei gewesen zu sein, ist sicherlich der schönste Gewinn.

"Hiermit gebe ich Ihnen und der Welt bekannt, dass die 11. Sommer-Paralympics in Sydney 2000 die wirklich besten aller Zeiten waren. Sie haben ein perfektes Festival des Sports und der Freundschaft vollendet", erklärte Robert Steadward, Präsident des Internationalen Paralympics Komitee (IPC), in seiner Abschlussrede.

Überschattet wurden die Paralympischen Spiele von zehn Dopingfällen, wodurch mehreren Sportlern die Medaillen aberkannt wurden. In Zukunft wird es verstärkte Doping-Kontrollen geben, und einige Teilnehmer wurden für mehrere Jahre gesperrt.
Die Deutsche Mannschaft bedankte sich bei den Gastgebern mit einem riesigen Transparent mit der Aufschrift "Thanks Australia" für die perfekte Organisation der Wettkämpfe und die fantastische Atmosphäre.

Die nächsten Paralympics finden 2004 in Athen statt. In Sydney wurden gänzlich neue Maßstäbe gesetzt. Nun stehen die Griechen vor der schweren Aufgabe, die "besten Paralympics aller Zeiten" noch besser zu machen.

Ergebnisse und Medaillenspiegel gibt es unter Externer Linkhttp://www.sport.de. Dort könnt Ihr detailliert nachlesen, wer was gewonnen hat.

 

Rollstuhlbasketball

Für eine Medaille hat es leider nicht gereicht, obwohl wir von STARTRAMPE.NET den Spielern der deutschen Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft so viel Glück gewünscht hatten. Dennoch sind wir gespannt darauf, was die Mannschaft in Sydney erlebt hat und welche persönlichen Eindrücke die Spieler mit nach Hause bringen.

 

Survival-Training in Sydney

Für die deutsche Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft waren die Paralympischen Spiele ein Abenteuer mit Hindernissen und gleichzeitig ein unvergessliches Erlebnis. Im Folgenden berichtet Manager Horst Schure von den Erlebnissen der Mannschaft in Sydney.

Nach der Stadtrundfahrt in Hongkong ging es direkt ins Hotel, wo bereits die ersten Probleme auftraten: Vom DBS war für je vier Teilnehmer jeweils nur ein Doppelzimmer zur Verfügung gestellt worden. So konnten nur zwei Teilnehmer im Bett, einer auf zwei zusammengestellten Sesseln und einer auf dem Teppichboden schlafen.

Nachts ging es dann weiter nach Sydney, wo die Delegation gegen Mittag des nächsten Tages ankam. Beim Bezug der Wohnungen im Paralympic-Village zeigte sich, dass die Wohnungen für das gesamte Team nicht ausreichten. Vier der Spieler und Bundestrainer Gerd Römer bezogen daraufhin drei im Garten aufgestellte Container, die mit einfachen Nass-Zellen ausgestattet waren. Die Verpflegung und der Bustransfer waren jedoch hervorragend.

Doch die Pechsträhne riss nicht ab. Der geplante Trainingsbetrieb konnte nicht aufgenommen werden, da die Sportrollstühle nicht zur Verfügung standen. Wie später bekannt wurde, war mit der Luftfrachtsendung, die eigentlich nur Sportgeräte enthalten darf, ein Medikamentenkoffer einer anderen DBS-Sportmannschaft geschickt worden. Dieser Koffer wurde offensichtlich vom Zoll entdeckt, so dass die gesamte Sendung zurückgehalten und untersucht wurde.

Als die Sportrollstühle angekommen waren, konnte der tägliche Trainingsbetrieb endlich beginnen. In zwei Trainingsspielen gegen die Nationalmannschaften von Frankreich und Schweden war die deutsche Mannschaft, trotz Schlafmangels und Pannen, souverän überlegen.

Bei der anstehenden Klassifizierung gab es für alle europäischen Teams eine große Überraschung. Anders als erwartet, suchten die Klassifizierer nicht nach Möglichkeiten der Höherstufung, sondern halfen den Spielern. - Der richtige Schritt, um den Rollstuhlbasketball attraktiver zu machen.

 

Für das Rollstuhlbasketball-Turnier der Herren wurden folgende Gruppen ausgelost:

 
Ergebnisse
 

Die sportliche Bilanz

Auch wenn Platz acht nur dem unteren Level des geplanten Ziels der deutschen Mannschaft entspricht, zieht Horst Schure eine positive Bilanz aus sportlicher Sicht.

Die zwölf nominierten Nationalspieler gehören zu den besten Spielern der Bundesliga. Was den Altersdurchschnitt angeht, gehörte das deutsche Team zu den jüngeren Mannschaften der Paralympics, was auch für die Zukunft hoffen lässt.

Mit dem Erkämpfen der Silbermedaille bei der EM 1999 haben sich die Spieler unter die weltbesten zwölf Mannschaften gespielt. Dieses ist als großer Erfolg zu verbuchen.

Aus europäischer Sicht ist erfreulich, dass sich alle fünf Europa-Teams unter den besten acht Mannschaften behaupten konnten.

Im Rollstuhlbasketball der Herren ist die Leistungsdichte noch enger geworden. Länder wie z.B. Japan und Mexiko oder auch Korea werden in den nächsten Jahren weiter nach vorne drängen und noch erfolgreicher sein. Selbst im Team von Südafrika sind etliche große Talente, die - aufgrund der fehlenden internationalen Praxis - noch unter ihren Möglichkeiten blieben. Hinzu kommt, dass Südafrika aufgrund der Sperre von Ägypten erst spät nachnominiert wurde. Australien erkämpfte sich bei den Paralympics 1998 in Atlanta überlegen die Goldmedaille und kam in Sydney nur auf Platz fünf.

 

Keine Medaillen ohne Sponsoren

Teams wie Großbritannien, Kanada, USA, Australien und die Niederlande konnten die Vorbereitung auf die Paralympics mit umfangreichen finanziellen Mitteln absichern, wie sie bei uns bisher undenkbar sind.

Hinzu kommt, dass in diesen Ländern die Mitglieder der Teams für die Paralympics auch im beruflichen Bereich eine größere Hilfe erfuhren, sei es durch Sonderurlaub oder monatelange Freistellung vom Beruf bei voller finanzieller Absicherung. Auch durch hauptamtliche Trainer haben diese Mannschaften Vorteile. In Großbritannien, USA, Kanada und Australien sind diese Möglichkeiten schon jetzt auch für die nächsten Jahre eingeplant.

Bei zahlreichen Gesprächen, auch mit den Verantwortlichen von Frankreich und Schweden, mussten wir erkennen, dass der Abstand zwischen den "finanzstarken" und anderen Teams, wie es unsere Mannschaft ist, in den nächsten Jahren noch größer werden wird.

Gerade im Sport müssen die Mittel erheblich erhöht werden, sei es aus öffentlicher Hand oder durch Sponsoren, um verbesserte Möglichkeiten zu bekommen. Dieses bezieht ausdrücklich auch die Nachwuchsarbeit ein. Es kann nicht sein, dass sehr talentierte Nachwuchsspieler künftig nicht mehr zur Verfügung stehen, da ihre Arbeitgeber die Teilnahme am Leistungssport ablehnen.

Im Vergleich zu anderen Ländern wird in Deutschland wenig für die behinderten Leistungssportler getan. Dafür, dass die deutschen Spieler in vieler Hinsicht benachteiligt sind, brachten sie in Sydney eine hervorragende Leistung.

(...)

In Deutschland ist es leider so, dass bei großen Ereignissen nur noch in "Medaillen" gerechnet wird. Die Voraussetzungen bis "zur Medaille" sind in den Ländern einfach zu sehr abweichend, wobei Deutschland vielleicht zunehmend ins Abseits gerät, wie auch andere Sportarten zeigen.

Was haltet Ihr von Horst Schures Kritik? Schreibt uns eine email an redaktion@startrampe.net

 

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