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Erfahrungsberichte

 

Dieser Bereich soll den Besuchern von STARTRAMPE.NET die Möglichkeit geben, die eigenen Erfahrungen als Querschnittgelähmter oder mit Querschnittgelähmten zu veröffentlichen.

Eilert, 21, ISB-Zivi

Für mich war von Anfang an klar, daß ich Zivildienst leisten würde, aber nicht, wo. Die Suche nach einer geeigneten Zivi-Stelle gestaltete sich also eher problematisch. Beeinflußt durch Bruder, Hamburg und Freunde fand ich dann eine ISB-Stelle bei der Diakonie mit Dienstwohnung auf St.Pauli.

Ich habe ein halbes Jahr Springer-Dienst geleistet und wurde überwiegend in der Schwerstbehindertenbetreuung eingesetzt. Da ich keine genaue Vorstellung vom Thema Querschnittlähmung hatte, war die erste Zeit nicht einfach. Die erste natürliche Reaktion war, daß ich die Situation der Behinderten auf mich bezog, indem ich mich fragte: "Was wäre, wenn ich mit dieser Einschränkung leben müßte?" Auf diese Frage habe ich bis heute keine Antwort gefunden. Ich habe nur erkannt, daß jeder Mensch anders mit solch einer Situation umgeht. Die Akzeptanz als vollwertiger Mensch durch sich selbst und durch das soziale Umfeld ist hierbei - meiner Meinung nach - am wichtigsten.

In der Anfangszeit befand ich mich in einer eher passiven Situation, da ich die notwendigen pflegerischen Tätigkeiten erst erlernen mußte. "Learning by Doing" war das gängige Prinzip, was zur Folge hatte, daß der eine oder andere Transfer unfreiwillig auf dem Boden endete. Da meine Konzentration schwerpunktmäßig auf der Erfüllung meiner Tätigkeiten lag, trat die menschliche Seite eher in den Hintergrund. Das änderte sich aber nach kurzer Zeit, als sich die Tätigkeiten zu einer Art Alltag entwickelten. Als ich die pflegerischen Abläufe kannte, fiel es mir leicht, mich auf neue Menschen einzustellen. In der Position des Springers wollte ich aber nicht meine gesamte Zivi-Zeit bleiben.

Ich habe mich nach einem halben Jahr für eine feste ISB-Stelle bei zwei Querschnittgelähmten in derselben Dienststelle beworben. Die Betreuung ist auf drei 24-Stunden-Stellen aufgeteilt, die jeweils eine Woche dauern. Die Regelmäßigkeit des Arbeitens war ein Aspekt, der mich dazu geführt hat, mich für diesen Job zu entscheiden. Der andere und wichtigere war die Atmosphäre, die in der Wohngemeinschaft vorherrschte. Die häuslichen Tätigkeiten konnte ich mir nach einer Eingewöhnungsphase weitestgehend selbst einteilen. Da ich zu diesem Zeitpunkt für einen Zivi schon ein breites Erfahrungsspektrum besaß, rückte die Persönlichkeit meiner Rollis immer mehr in den Vordergrund.

Die Situation einer 24-Stunden-Betreuung ist manchmal nicht leicht, da eigene Bedürfnisse während dieser Woche nicht oder nur eingeschränkt zu befriedigen waren. Da ich die Möglichkeit hatte, mich mit meiner Malerei und Büchern zu beschäftigen, war die Tatsache, daß ich eine Woche von der Bildfläche verschwunden war, nicht so dramatisch. Außerdem waren da ja noch die zwei Wochen Freizeitausgleich, die ich ausschließlich für mich nutzen konnte. Das Leben in der WG wurde nach einiger Zeit zu einem wichtigen Bestandteil meines eigenen Lebens, da ich endlich wieder einen Ruhepol gefunden hatte.

Die Zivi-Zeit hat mir Einblicke in Teile der Gesellschaft gegeben, die vielen Menschen verborgen bleiben. Ich bin froh, daß ich diesen Weg gewählt habe.

Verfasser: Eilert Janssen, April 1999

 
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Experte Eilert Janssen, Fachgebiet Zivildienst

Foto Jannsen

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