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CHAT DOKU | 26.09.2001

Autoumbauten

 

Experten Herr Friedrich und Herr Hell von DIAS; Herr Weber aus Greifswald

Moderator: Guten Abend zusammen. Ich begrüße Euch alle zum heutigen Expertenchat. Das Thema lautet heute »Autoumbauten«. Ich begrüße Herrn Dirk Weber und unsere Experten, die Herren Friedrich und Hell. Für die, die unsere Experten noch nicht kennen, wäre eine Kurzvorstellung hilfreich. Herr Friedrich, Herr Hell können Sie sich bitte kurz vorstellen?
Experte: Wir arbeiten als Soziologe bzw. Dipl. Ing. im Rehabilitationsbereich.

Moderator: Herr Weber, bitte einige Worte zu Ihrer Person.
Weber: Ich habe in Greifswald eine eigene Umrüstfirma mit Fahrschule für Menschen mit Handicap.

Frage: Auch für LKW?
Weber: Wenn die technischen und körperlichen Möglichkeiten es hergeben, warum nicht!

Moderator: Zur Einführung möchte ich noch kurz einige Informationen geben. Im Jahr 2000 wurde ein Test unter dem Titel »Test von PKW-Kleinwagen für Mobilitätseingeschränkte Personen« durchgeführt. Die Ergebnisse und weitere Informationen könnt Ihr auf der Homepage von Dias unter Externer Linkhttp://www.dias.de nachlesen. Wenn niemand etwas dagegen hat beginne ich mit meinen Fragen. Wer hat den Test durchgeführt und in wessen Auftrag?
Experte: Der Autotest für Behinderte hat als Auftraggeber das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung. Durchgeführt von der Stiftung Warentest.

Moderator: Welche PKW wurden getestet?
Experte: Dreizehn Kleinwagen bis Mittelklasse.

Moderator: Welche Testpersonen haben den Test gemacht?
Experte: Rollstuhlfahrer, Arm-/Beinbehinderte und Senioren.

Moderator: Was wurde getestet?
Experte: Die Behindertengerechtigkeit von PKWs ab Werk.

Moderator: Können Sie uns noch mehr Informationen zu dem Test geben?
Experte: Die Testkonfiguration ist vor allem darauf ausgelegt, die Eignung des noch nicht umgerüsteten PKWs als Basis für die grundsätzliche Eignung sichtbar zu machen. Produktseitige Grundlage des Tests ist ein einheitlicher Kriterienkatalog für alle Testmodelle. Anwenderseitige Grundlage des Tests sind die Bewertungen von Testpersonen, die die vorgegebenen Testschritte ausführen und die Ausführbarkeit bewerten. Um einerseits einen breiten Einbezug und andererseits eine gewisse Differenzierung zu erreichen, wurden die Anwender in Rollstuhlbenutzer, Arm-/Beinbehinderte und Senioren unterteilt mit jeweils seperater Bewertung. Wir haben getestet: Einstieg ins Auto mit Transfer, Sitzverstellungen und Bedienteile sowie Rollstuhlverladung in den Fahrerraum.

Frage: Zu welchen Ergebnissen kam es?
Experte: Die einzelnen Ergebnisse lassen sich auf der Homepage von Dias nachlesen.

Frage: Wurden hierbei behinderungsbedingte Elemente, z. B. Handbediengeräte, getestet oder Fahrzeugmodelle?
Experte: Wir haben nichtumgerüstete PKW getestet.

Frage: Rollstuhlfahrer haben verschiedene Behinderungen und somit verschiedene Bedürfnisse. Wie wurde das getrennt bzw. erfasst?
Experte: Jede behinderte Person hat ihre individuellen spezifischen Fähigkeiten. Die Bedienqualität im Hinblick auf diese Unterschiede lässt sich nur als Durchschnitts- oder Mittelwert darstellen. Wir haben keine umgerüsteten Autos getestet.

Moderator: Wie ist das zu verstehen?
Experte: Der Test eines bereits umgerüsteten PKW kann ja nur für eine Person mit spezifischer Behinderung Geltung haben.

Moderator: Die Personen sind nur eingestiegen, aber nicht gefahren?
Experte: Ja, es haben keine Fahrtests stattgefunden.

Frage: Wurden nur Rollstuhlverladesysteme getestet für die Verladung zwischen den Sitzen, oder auch Rollstuhllifter zur Verladung im Kofferraum?
Experte: Getestet wurde der Einstieg, die Rollstuhlverladung und die grundsätzliche Bedienbarkeit des Ab-Werk-Produkts. Verladesysteme wurden nicht getestet, dies sind ja auch Umbauten. Es ging um die Verladung von Hand. Können wir einige Fragen stellen?

Moderator: Bitte
Experte: Frage eins: Benutzt Ihr beim Autofahren einen Starrahmen-, Falt- oder anderen Rollstuhl?
Frage zwei: Auf welche Art und Weise verstaut Ihr den Rollstuhl ins Wageninnere?

Fall eins - zerlegt, Rahmen auf Beifahrersitz, grosse Räder auf die hinteren Sitze
Fall zwei - zerlegt, Rahmen und Räder auf die hinteren Sitze
Fall drei - zerlegt, Rahmen hinter die Vordersitze ziehen, Räder auf die Hintersitze
Fall vier - komplett unzerlegt hinter die Vordersitze ziehen
Fall fünf - zerlegt oder unzerlegt in den Kofferraum/Laderaum

Wir bitten Euch, die Antworten an unsere eMail-Adresse Hell@dias.de zu schicken. Danke.

Frage: Was stimmt nun; einmal sagen Sie, dass Rollstuhlverladesysteme getestet wurden und dann wieder, sie wurden nicht getestet.
Experte: Wir haben getestet, aber die Verbreitung der verschiedenen Rollstühle und Methoden wüssten wir gern.

Frage: Warum testet Ihr keine umgebauten Fahrzeuge? Fast jedes Auto für Behinderte muss umgebaut werden.
Experte: Methodische Gründe/Breite der Zielgruppe: Die jeweilige Umrüstung kann weniger dem PKW, sondern eher der Umrüstfirma zugeordnet werden. Umgerüstete PKW schränken die Auswahl von Testpersonen ein. Finanzielle Gründe: Beschaffung von umgerüsteten PKW ist sehr aufwendig.

Frage: Wie ist es, wenn ich im Rollstuhl sitze und Auto fahre?
Experte Weber: Heikles Thema, denn es gibt nur wenige Rollstühle, die Crash- getestet sind und vom TÜV akzeptiert werden.

Frage: Darf ich mit Faltrollstuhl Auto fahren? Ich bin Tetraplegiker.
Experte Weber: Faltrollstuhl und Fahren im Rollstuhl, nur mit Verstärken des Rollstuhls und Ausnahmegenehmigung bzw. Einzelabnahme des TÜV.

Einwurf: Der Gutachter sagte nur mit Elektro-Rollstuhl und auch nicht mit jedem Modell.
Experte Weber: Dann hast Du zwei Möglichkeiten, entweder Du lässt ein neues Gutachten erstellen oder Du benutzt einen der geforderten Elektro-Rollstühle. Wende Dich an Herrn Lempp beim TÜV Heidelberg.

Einwurf: Bei Herrn Kretschmer, TÜV Rheinland, ist es schwerer. Es wurden nur drei Elektro-Rollstühle zugelassen.
Frage: Geht es hier nur um Verladesysteme bzw. Vorrichtungen, oder auch um technische Möglichkeiten, ein Auto zu fahren?
Moderator: Dirk Weber ist für die Fahrtechnik Experte.

Frage: Was macht denn jemand, wenn trotz vorheriger ausführlicher Beratung, der Rollstuhl mit Verladesystem nicht passt?
Experte Weber: Das sollte eigentlich nicht passieren. Es gibt Maßblätter, die von den Herstellern der Verladesysteme herausgegeben werden bzw. überprüft werden können.

Einwurf: Ist aber passiert. Ich habe einen Fiat Punto und einen Kofferraumlifter, dennoch kann ich meinen Rollstuhl nicht alleine verladen. Man muss die Rücksitzbank umklappen lassen und den Rollstuhl auseinanderbauen. Beides kann ich nicht alleine. Kann ich den Lifter nach fünf Wochen zurückgeben? Ist der Einbauer verpflichtet ihn zurückzunehmen?
Experte Weber: Ich denke nicht, die meisten Hersteller produzieren auftragsbezogen. Welche Verladehilfe hast Du? Rausch?

Moderator: Wer hat Dir den denn empfohlen?
Einwurf: Der Umbauer bzw. Verkäufer. Ich wollte einen Rollstuhllifter, weil mir gesagt wurde, dass ich meinen Faltrollstuhl allein in den Kofferraum hinein und heraus bekomme. Als ich wieder dort war und der Lifter eingebaut, stellten wir fest, dass ich es nicht kann.
Experte Weber: Es gibt diesbezüglich sehr gute Systeme, wenn man sie aufgrund der körperlichen Situation und mit dem richtigen Rollstuhl nutzen kann.

Moderator: Kannten sie Deinen Rollstuhl nicht?
Einwurf: Nein, ich sagte, dass er grösser als das vorhandene Probemodell sei. Probieren konnten wir vorher nicht.
Experte Weber: Das ist eine Falschberatung des Einbauers. War das ein Autohaus oder eine renommierte Umrüstfirma?

Einwurf: Beides in einem. Der Händler bzw. Umbauer sagte, dass er sich etwas einfallen lässt. Dannach stellten wir fest, technisch ist eine Korrektur nicht möglich.
Experte Weber: Es ist hier sehr schwierig, eine akzeptierbare Lösung zu finden, denn Du musst letztendlich mit der Umbaulösung selbstständig zu recht kommen.

Einwurf Behinderungsbedingt schaffe ich das nicht. Außerdem wurde der Lifter bereits bezahlt. Obwohl ich ihn nicht nutzen kann, muss ich ihn nun im Auto lassen?
Experte Weber: Du kannst ihn auf eigene Rechnung ausbauen und ggf. den Kostenträger informieren.

Frage: Wie teuer wäre das? Kommt es da auf das Modell an? Wie lange dauert das?
Experte Weber: Das kommt auf den Lifter an.

Frage: Wenn ich das Arbeitsamt informiert habe, kann ich ihn dann verkaufen?
Experte Weber: Schon, möglicherweise möchte das Arbeitsamt die Kosten erstattet haben.

Einwurf: Ist das fair? Dann zahle ich ja doppelt.
Experte Weber: Sozusagen ja, das Arbeitsamt ist in der Annahme, Du kommst mit dem finanzierten Umbau selbstständig zurecht. Falls dem nicht so ist, ist dies eine Sache zwischen Dir und dem Einbauer. Letzendlich bist Du der Auftraggeber.

Einwurf: Deshalb müsste ich das Arbeitsamt wahrheitsgemäß informieren. Ich kann doch nichts dafür, wenn erst der Einbau und dann der Test erfolgt. Wenn der Umbauer sich quer stellt, dann habe ich Pech?
Experte Weber: Ja leider. Außer, das Arbeitsamt hat noch nicht gezahlt. Du informierst am besten den Sachbearbeiter.

Einwurf: Dann besteht die Möglichkeit, den Lifter wieder auszubauen?
Experte Weber: Dann besteht die Möglichkeit, den Lifter wieder auszubauen?

Frage: In wie weit können andere Umbauer den Rollstuhllifter ausbauen?
Experte Weber: Im Prinzip kein Problem. Nur die Kosten musst Du selbst tragen.

Frage: Wie hoch wären die ca.?
Experte Weber: Welcher Lifter?

Einwurf: Rollstuhlverladekran, elektrisch hebend, schwenkend, Tragkraft 100KG.
Experte Weber: Der Rollstuhlkran: Elektrisch über Seilzug wird der Rollstuhl hoch und runter gehoben und mechanisch in das KFZ geschwenkt. Dieser Kran ist was für Leute, die relativ sicher stehen können bzw. für Hilfspersonen. Um dieses System zu demontieren, benötigt man zwei bis drei Stunden inkl. Verkabelung. Wenn diese bis in den Motorraum verläuft. Bei diesem Ladekran muss ich mindestens eine Hand frei haben, um den Verladevorgang zu unterstüzen und selbstständig vom Kofferraum zum Fahrersitz gelangen können.

Einwurf: Um die Fernbedienung zu bedienen und den Rollstuhl in Balance zu halten, damit er nicht am Auto anstößt, benötige ich zwei Hände. Das ist mir unmöglich. Selbst mein nicht behinderter Bruder hat dabei Probleme und musste Rücksitzbank und Rollstuhl umklappen bzw. auseinander bauen.

Frage: Was ist als Rückhaltesystem für Passivfahrer besser? Das Delta System mit Stahlstangen oder mit Gurten an vier Punkten?
Experte Weber: Das kann man schlecht sagen, denn das Gurtsystem ist Crash- getestet und leichter zu montieren.

Einwurf: Das Delta System finden meine Zivildienstleistenden besser.

Frage: Kann man eigentlich was gegen das Durchschütteln machen, dem man als Passivfahrer ausgesetzt ist?
Experte Weber: Das sieht schlecht aus. Der Elektro-Rollstuhl ist meist eigenständig gefedert, und selbst, wenn die Befestigung für den Rollstuhl oberhalb der Federn ist, wirst Du immer bestimmten Schwingungen ausgesetzt sein. Denke daran, Du fährst direkt auf der Hinterachse.

Einwurf: Mein Kangoo hat wenigstens keine Blattfederung, besser als ein Caddy, aber auf schlechten Straßen ist es manchmal arg. Der Rollstuhl ist nicht gefedert.

Frage: Darf ich ein Fahrzeug als Fussgänger führen, das umgebaut wurde? Beispielsweise auf Handgas? Neulich sollte ich im Rahmen des Rückholdienstes ein Fahrzeug führen, das eben keine Pedale mehr hatte, ohne Halter.
Experte: Fußgänger dürfen nur mit den Originalbedienelementen des KFZ fahren. Wenn kein Pedalwerk im KFZ vorhanden ist, darf dies nur von eingewiesenem Fachpersonal gefahren werden.

Moderator: Leider neigt sich der Chat dem Ende zu.

Experte: Das war ein toller und ganz interessanter Chat für uns. Es wäre nett, wenn Ihr unsere Fragen - siehe oben - noch per eMail beantworten könntet, Hell@dias.de. Danke.

Experte Weber: Bei weiteren Fragen mailt mir unter weber-greifswald@t-online.de. Meine Telefonnummer 03834-509319. Danke an alle!!!

Moderator: Ich möchte mich bei allen Teilnehmern des heutigen Chats ganz herzlich für ihre Anwesenheit bedanken. Besonders natürlich bei unseren Herren von Dias und Dirk Weber. Ich sage noch mal danke an alle und verabschiede mich.

 

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