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CHAT DOKU | 21.02.2001
Studieren mit Behinderung
Expertin Andrea Übelhack
Moderator: Hallo und willkommen zum Expertenchat "Studieren mit Behinderung" in Kooperation mit studieren.de und der Expertin Andrea Übelhack. Zur Diskussion stehen das Internetportal
http://www.studieren.de, alles Wissenswerte rund ums Thema und natürlich alle Eure Fragen und Anregungen. Andrea, bitte stelle Dich unseren Mitchattern kurz vor.
Experte: Hallo, ich bin Andrea, 26 Jahre alt und schreibe gerade an meiner Doktorarbeit. Ich studiere also selbst noch und arbeite bei http://www.studieren.de.
Frage: Sind Sie selbst behindert?
Experte: Nein, ich bin nicht behindert.
Moderator: Heute geht es um das Internetportal "www.studieren.de". Es ist von Studierenden für Studierende. Was genau bedeutet das?
Experte: Wir haben dieses Internetportal aufgezogen, als wir noch alle selbst studierten. Deshalb sind wir der Sache sehr nahe. Das Kernstück unserer Seite ist die Suchmaschine. Dort findet man alle Studienmöglichkeiten in Deutschland.
Frage: Was genau ist Dein Job bei http://www.studieren.de?
Experte: Die Beantwortung von E-Mails und die Pflege der Datenbank. Manchmal bekommen wir auch E-Mails von Hochschulen, die uns auf neue Studiengänge aufmerksam machen.
Frage: Recherchiert Ihr alles selbst, oder gibt es Helfer?
Experte: Wir recherchieren alles selbst.
Frage: Wie viele Leute arbeiten bei http://www.studieren.de?
Experte: Insgesamt fünf Leute.
Moderator: Wie jung ist http://www.studieren.de?
Experte: Es gibt uns seit 1997.
Frage: Was sind die häufigsten Probleme, die sich behinderten Studierenden stellen?
Experte: Zunächst einmal alles, was auch andere quält. Natürlich geht es auch um Fragen wie: "Komme ich in den Hörsaal?", "Bekomme ich finanzielle Hilfe?" etc.
Frage: Gibt es auch eine Rubrik für behinderte Studierende oder Hinweise auf Ansprechpartner der jeweiligen Universitäten?
Experte: Ja, unter Beratung aktuell.
Frage: Fernuniversitäten sind auch einbezogen?
Experte: Ja, wir haben eine Datenbank extra für Fernstudiengänge.
Frage: Nutzen behinderte Studenten eher Fernstudiengänge?
Experte: Ja, ein Fernstudium ist jedoch nicht leicht. Dazu muss man sehr diszipliniert sein.
Einwurf: Fernuniversitäten sind aber eher erreichbar.
Frage: Arbeitet Ihr mit dem Studentenwerk DSW zusammen? Sie geben doch Broschüren für Behinderte heraus.
Experte: Wir geben alle Informationen weiter, aber wir arbeiten nicht mit ihnen zusammen.
Einwurf: Das DSW gibt eine Broschüre heraus: "Verzeichnis der Beauftragten für Behindertenfragen an Hochschulen und Studentenwerken".
Moderator: In der Suchmaschine gibt es keine Suchoption für Begriffe wie Rollstuhlzugänglichkeit usw. Ist so etwas in Zukunft noch vorgesehen?
Experte: Die Suchmaschine ist nur für Studiengänge und Hochschulen! Wir arbeiten jedoch an einem Relaunch.
Einwurf: Die Universität Münster ist meines Wissens erhoben worden in Bezug auf Rollstuhlzugänglichkeit.
Moderator: Bei den Jobangeboten gibt es keine Angaben für behinderte Jobsuchende. Der Anbieter hat auch keine Möglichkeit, Angaben zu machen.
Experte: Das liegt daran, dass bei uns keine Jobgesuche aufgegeben werden.
Moderator: Der Anbieter hat aber auch keine Möglichkeit, im Angebotsformular seine Angaben zu machen.
Experte: Welche Angaben sollte der denn machen können? Da musst Du uns helfen!
Moderator: Beispielsweise, dass bestimmte Jobs bevorzugt an behinderte Jobsuchende vergeben werden.
Experte: Leider haben wir daran nicht gedacht, wir ändern dies sobald wie möglich.
Moderator: Nun zu den allgemeinen Fragen. Kann man einen Sonderantrag stellen, wenn man aufgrund seiner Behinderung den Numerus clausus nicht aufweisen kann?
Experte: Ja, wenn man nachweisen kann, dass aufgrund der Behinderung der Notendurchschnitt gedrückt wurde. Der Antrag muss direkt bei der ZVS gestellt werden. Zur Information die Adresse der ZVS im Internet:
http://www.zvs.de.
Einwurf: Wie kann man das nachweisen?
Experte: Das geht über spezielle Anträge bei der ZVS.
Moderator: An welchen Hochschulen gibt es Interessengemeinschaften behinderter und nichtbehinderter Studierender bzw. wo kann man das erfragen?
Experte: Die findet man eigentlich an allen großen Hochschulen. Erfahren kann man das über die Beratungsstelle für Behinderte an der Hochschule oder von den Studentenwerken.
Frage: Wenn ich die Klausuren nicht selbst schreiben kann, was für Möglichkeiten habe ich?
Experte: Entweder die Prüfung wird mündlich abgelegt oder jemand schreibt für Dich. Das ist der sogenannte Nachteilsausgleich.
Frage: Dass jemand anderes schreibt wird akzeptiert?
Experte: Grundsätzlich gilt: Jede Hochschule hat ihre eigenen Regeln.
Frage: Warum gibt es bei Euch keinen Hinweis auf Studienassistenz?
Experte: Studienassistenz kann man entweder über die Interessengemeinschaften organisieren oder über Wohlfahrtspflege oder die Studentenwerke.
Einwurf: Das ist mir bekannt, die Frage war, warum es auf Eurer Seite dazu keinen Hinweis gibt.
Experte: Wir werden das gerne noch dazu nehmen.
Moderator: Wer trägt die Kosten für einen Studienassistenten? Wo kann man eine Finanzierung beantragen?
Experte: Studienassistenz muss man als Hilfsmittel beantragen, und dann ist die Krankenkasse zuständig bzw. das Sozialamt. Bei den Anträgen helfen die Berater in den Hochschulen. Sie haben damit viel Erfahrung.
Einwurf: Auch bei den Hauptfürsorgestellen.
Frage: Kann man das auch über Eingliederungshilfe beim Sozialamt beantragen?
Experte: Ja.
Moderator: Wie findet man einen geeigneten Studienassistenten?
Experte: Was heißt geeignet?
Moderator: Jemand, der zum Beispiel mathematische Formeln korrekt schreiben kann oder sich mit Juristendeutsch auskennt.
Experte: Das ist dann natürlich eine Feinabstimmung. Ein Zivildienstleistender kann das auch. Außerdem gibt es von den Beratungsstellen organisierte Studenten, die für behinderte Kommilitonen mitschreiben. Die Beratungsstellen helfen da auch weiter.
Einwurf: Da muss man aber einen motivierten Begleiter bzw. Zivildienstleistenden haben.
Experte: Ja, aber es geht nicht anders. Grundsätzlich ist es natürlich besser, an einer großen Universitäten zu studieren. Dort gibt es dann mehr Unterstützungsmöglichkeiten.
Einwurf: Ich hatte schon viele Assistenten, die des Lesens und Schreibens nicht mächtig waren.
Einwurf: Stimmt, man macht eben manche schlechte Erfahrung.
Experte: An einer großen Universität kann man sich besser zusammenschließen.
Einwurf: Eventuell könnte man versuchen, die Skripte vom Professor zu bekommen.
Einwurf: Ich habe mir immer einen Kommilitonen zum Mitschreiben gesucht.
Experte: Die wenigsten werden die Hilfe ablehnen, denke ich. Was für Erfahrungen habt Ihr mit Kommilitonen?
Einwurf: Sehr gute.
Einwurf: Beim Schreiben keine, sonst allerdings schlechte.
Frage: Wer studiert hier noch aktiv?
Einwurf: Ich studierte Diplom-Rehabilitationspädagogik.
Einwurf: Ich bin immatrikuliert. Diplom-Übersetzer für Englisch/Französisch.
Einwurf: Ich schreibe an meiner Dissertation.
Einwurf: Gerade habe ich mein Studium absolviert.
Einwurf: Letzten Sommer habe ich mich über Studienmöglichkeiten erkundigt.
Einwurf: Ich studiere nicht, aber mich interessiert das Thema.
Moderator: Nun zum Thema "Wohnsituation". Wird in diesem Bereich etwas getan, damit behinderte Studierende ihrer Behinderung entsprechend wohnen können?
Experte: Alle Wohnheime haben behindertengerechte Wohnungen. Sie werden auch an Nichtbehinderte vergeben. Wenn man eine Wohnung möchte, muss man sich frühzeitig darum kümmern, damit sie eventuell geräumt werden kann. In Heidelberg, Regensburg und Marburg haben die Wohnheime übrigens angeschlossene Fahrdienste.
Moderator: Wie früh sollte man sich kümmern?
Experte: Etwa ein halbes Jahr vorher.
Frage: Wie ist das mit Wohnmöglichkeiten in Hamburg?
Experte: Das weiß ich nicht, aber ich werde mich gerne informieren und schreibe Dir dann eine E-Mail.
Moderator: Welcher Organisation unterliegen die Wohnheime?
Experte: Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt welche von den Studentenwerken, kirchliche etc.
Frage: Kann man die Universitäten zum rollstuhlgerechten Bauen zwingen?
Experte: Die Universitäten müssen nur einen gewissen Teil an Räumen haben. Wie die dann belegt werden, ist ihre Entscheidung. Ein gutes Beispiel ist München. Da gibt es behindertengerechte Räume für große Veranstaltungen. Kleinere Fächer kommen leider zu kurz, beispielsweise Semitistik.
Moderator: Der heutige Expertenchat ist nun beendet. Vielen Dank Andrea, dass Du Dich zur Verfügung gestellt hast. Tschüß, bis zum nächsten Mal.
Experte: Danke, dass Ihr alle da wart. Wenn noch Fragen bestehen, schreibt bitte an folgende E-Mail Adresse: andrea@studieren.de


