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Pflege

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CHAT DOKU | 20.10.2004

Pflege V

 

Experten Dietmar Bauer und Thorsten Reimers vom QZ Boberg, Hamburg

Moderator: Hallo und Willkommen zum Expertenchat "Pflege", mit unseren Experten Thorsten Reimers und Dietmar Bauer vom Querschnittgelähmtenzentrum in Hamburg. Beide chatten gemeinsam unter dem Nick "Experte" von einem PC aus. Heute befassen wir uns mit der Versorgung von Wunden und Dekubitus, Pflegebetten, Matratzen, katheterisieren und allgemein mit dem Thema Pflege. Liebe Experten, stellt Euch bitte kurz den Mitchattern vor.
Experte: Ich bin Dietmar, seit sieben Jahren als Krankenpfleger in Boberg im Querschnittgelähmtenzentrum tätig. Thorsten arbeitet schon doppelt solange dort.

Moderator: Wie kommt es, dass einige komplett Querschnittgelähmte extrem anfällig für Dekubitus sind und andere nicht?
Experte: Das hängt von Alter, Begleiterkrankungen und Konstitution des Einzelnen ab. Weiter ist es natürlich wichtig, mit einem guten Matratzensystem und Sitzkissen versorgt zu sein.

Moderator: Welche Matratzensysteme gibt es denn?
Experte: Sehr sehr viele. Weichlagerungsmatratzen, Wechseldrucksysteme und Non-Powered Systeme.

Moderator: Und Wasserbetten?
Experte: Zählen nicht dazu. Die Auswahl der Matratzen wird bei jedem Einzelnen individuell vorgenommen!

Moderator: Kann man Wassermatratzen grundsätzlich nicht empfehlen oder nur bedingt?
Experte: Mit Wasserbetten haben wir im Krankenhaus keine Erfahrung.

Experte: Was haben denn die Anwesenden hier für Matratzen?
Einwurf: Tempur.
Einwurf: Clinimat, seit dem Dekubitus.
Einwurf: Eine 25 Euro Matratze, wohl eine Non-Powered.
Einwurf: Schaumstoff.

Experte: Da haben wir ja einige Systeme. Wer hat schon einmal Protecto ausprobiert?
Frage: Was ist das? Eine harte Matratze?
Moderator: Ist eine Protecto-Matratze immer noch die beste zur Vorbeugung gegen Dekubitus?
Experte: Nein, das ist eine Weichlagerungsmatratze! Am wichtigsten ist Druckentlastung und die richtige Matratze.

Frage: Ich habe seit meiner Erstversorgung und dem Dekubitus die Clinimat-Matratze. Gerne würde ich wieder auf die normale Protecto zurückgreifen. Wie gehe ich da am besten vor?
Experte: Ausprobieren und dabei regelmäßig gelagert werden, um auf Hautveränderungen zu achten.

Frage: Wann ist man als Querschnittgelähmter besonders gefährdet einen Dekubitus zu bekommen?
Experte: Bei Fieber, Mangelernährung, Schwitzen, längerer Bettruhe, zu langem Sitzen und Inkontinenz.

Frage: Worauf muss man bei der Ernährung achten?
Experte: Auf Ausgewogenheit, Vitamine, Ballaststoffe und genügend Flüssigkeitszufuhr.

Frage: Nach wie vielen Stunden sollte man sich entlasten?
Experte: Das hängt von Deiner Haut ab, zwei Entlastungszeiten täglich würde ich empfehlen. Wenn möglich durch Hochstützen.

Frage: Ist es gefährlich acht Stunden zu arbeiten, ohne sich zu entlasten?
Experte: Unbedingt das Gesäß zwischendurch entlasten! So lange am Abend Deine Haut nicht zu stark gerötet ist und Du danach entlastest, ist es in Ordnung. Man sollte aber regelmäßig auf Hautveränderungen achten.

Frage: Reicht da auch ein Toilettengang?
Experte: Nein, der Toilettengang ist keine Entlastung. Es sei denn, Du führst im Bett ab.

Frage: Ist eine trockene Haut im Genitalbereich eine Vorstufe zum Dekubitus? Liegt das an mangelnder Entlastung?
Experte: Nein, aber es ist ein Risikofaktor. Ich würde sagen, das liegt am Desinfektionsmittel beim Kathetern. Dagegen gibt es rückfettende Waschlotionen.

Moderator: Ein Tetraplegiker kann sich nicht abstützen. Gibt es da einen Trick wie er trotzdem entlasten kann, ohne sich ins Bett zu legen?
Experte: Mikroentlastungen, d.h. nach vorne beugen bzw. zur Seite.

Moderator: Ein paar Sekunden reichen?
Experte: Wenn man es häufig macht. Dies erspart aber nicht die Entlastung im Bett, man kann so höchstens die Sitzdauer verlängern.

Moderator: Also, einmal pro Stunde wäre ok?
Experte: Es gibt keine Faustregel. Am besten ist so oft wie möglich.

Frage: Wie lange empfehlen Sie sich im Bett zu entlasten?
Experte: Das ist individuell verschieden. Man sollte sich entlasten falls eine Rötung da ist, solange bis sie abgezogen ist.

Moderator: Gibt es Pflegemittel zur Vorbeugung von Dekubitus, bzw. zur Unterstützung der Haut?
Experte: Pflegemittel beugen keinem Dekubitus vor. Sie mindern nur das Risiko. Eine vernünftige Hautpflege macht die Haut weniger anfällig. Trockene Haut ist anfälliger für Dekubitus.

Moderator: Welche Folgen haben schlechte, bzw. falsche Behandlung, außer, dass ein Dekubitus entsteht?
Experte: Bettruhe, Entzündungen Krankenhausaufenthalt, die Knochen können betroffen sein, Operation, evtl. Wundinfektion, Fieber, Blutvergiftung, im schlimmsten Fall Exitus.


Experte: Wie oft entlastet ihr denn so?
Einwurf: Einmal täglich.
Einwurf: Hochstützen mache ich zwischen durch öfter.

Moderator: Kann man kleine oberflächliche Dekus zu Hause behandeln?
Experte: Jein, es sollte auf jeden Fall ein Arzt hinzugezogen werden. Wenn der Deku sich verbessert, d.h. kleiner wird, kann man es versuchen. Es besteht aber die Gefahr, dass sich darunter eine Tasche bilden kann.

Moderator: Das kann man verhindern, oder?
Experte: Nein, die Haut kann oben dicht sein, aber in der Tiefe nicht verschlossen.

Moderator: Warum dauert die stationäre Behandlung zumeist so lange?
Experte: Die Wunde muss zuerst sauber sein, dann wird operiert. Dann folgen lange Liegezeit im Spezialbett wegen der Wundheilung und langsame Mobilisation.

Moderator: Womit reinigt ihr die Dekubitus?
Experte: Bei uns im Haus ist Betaisadona üblich, das desinfiziert. Nicht bei Jodalergie verwenden! Eine Alternative wäre Octenisept.

Moderator: Kommen auch Maden zur Reinigung zum Einsatz?
Experte: Bei uns nicht.

Moderator: Warum nicht? Ich habe gehört, die Maden sind bei der Wundreinigung sehr wirkungsvoll.
Experte: Das sollte unser Chefarzt, Herr Dr. Exner, beantworten.

Frage: Was halten Sie von Naturheilmitteln, um die Wunde zu säubern und zu heilen?
Experte: Ich habe prinzipiell nichts dagegen. Wir greifen jedoch auf die Schulmedizin zurück.

Moderator: Bedeuten viele Harnwegsinfekte schlechtes steriles Arbeiten?
Experte: Das ist eine Möglichkeit. Des Weiteren kann auch ein zu geringe Flüssigkeitszufuhr, unregelmäßige Blasenentleerung oder zu viel Urin in der Blase eine Rolle spielen.

Moderator: Was heißt pH-Wert?
Experte: Das ist die Potenz der Wasserstoffionen in Flüssigkeiten. Der Wert sollte unter 6,5 sein. Der pH-Wert ist ein Maß für die Stärke der sauer bzw. basischen Wirkung einer Lösung. Der Begriff leitet sich von pondus Hydrogenii (lat. pondus = Gewicht; hydrogenium = Wasserstoff) ab.
- pH 0 bis 7 entspricht einer sauren Lösung
- pH 7 entspricht einer neutralen Lösung
- pH 7 bis 14 entspricht einer alkalischen Lösung
Genau bestimmt werden kann der pH-Wert mit Hilfe von speziellen Messgeräten (pH Elektrode) oder ungefähr mit einem Universalindikator und dem Vergleich mit einer Farbskala.

Frage: Gibt es etwas Gutes gegen Missempfindungen?
Experte: Ja, zum Beispiel Medikamente oder Anwendungen wie Stangerbäder.

Moderator: Unsere Chatzeit ist leider vorbei. Thorsten und Dietmar, habt vielen Dank für Euer Mitwirken. Allen anderen Dank fürs Mitchatten, bis zum nächsten Mal, wenn Ihr mögt. Ich wünsche allen noch einen schönen Abend.
Experte: Die Zeit ging heute schnell vorbei! Auf Wiedersehen!

 

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