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Psychologie

Psychologie

CHAT DOKU | 16.09.1999

Psychologie

 

Expertin Franziska Heider

Frage: Gibt es Therapien, die sich mit Schmerz bei Querschnittlähmung befassen?
Experte: Ja, allgemein gibt es Schmerztherapien. Man muß bei jedem ausprobieren, was geht, da jeder Querschnittgelähmte ein Einzelfall ist. Beispiele: Medikamente, Akkupunktur.

Frage: Gibt es die Möglichkiet, online Sitzungen abzuhalten?
Experte: Es gibt Therapeuten, die das machen. Aber ich nicht, weil so viele Informationen fehlen: Stimmen, Ausdruck...

Frage: Wie kann denn eine Psychotherapie aussehen?
Experte: Es gibt Körpertherapien, und es gibt Therapien, in denen man redet und malt und Träume deutet.

Frage: Was raten Sie Betroffenen kurz nach dem Unfall? Wie unterstützen Sie sie?
Experte: Alles mitzunehmen, was einem hilft und stärkt. Fordern, daß Leute kommen und für einen da sind und helfen oder reden. Es müssen erstmal alle lebensnotwendigen Dinge geregelt werden, die Angehörigen müssen unterstützt und rangezogen werden.

Frage: Wie sieht das mit falschen Hoffnungen machen aus?
Experte: Man muß ganz vorsichtig sein mit Hoffnungen machen, aber Hoffnungen tragen auch. Und man darf keinen entmutigen.

Frage: Bitte erzählen Sie etwas über sich!
Experte: Ich bin die Mutter eines Betroffenen und bin Psychotherapeutin. Das heißt, ich behandle Probleme mit Patienten in Einzelsitzungen. Gruppentherapien mache ich nicht.

Frage: Haben Sie Ihren Sohn therapiert? Kann man das so sagen?
Experte: Nein, das geht sowieso nicht.

Frage: Sollte jeder Betroffene und auch seine Angehörigen in der 1. Reha einen Psychologen aufsuchen?
Experte: Es ist gut, wenn man sich auf ein psychologisches Gespräch einlassen kann. Aber man darf es sich nicht aufdrängen lassen, wenn es einem damit nicht gut geht. Generell spielt die psychische Verfassung eine wichtige Rolle in jedem Krankheitsprozess.

Frage: Sind Sie der Meinung, daß die Akzeptanz eines solches Gespräches größer wäre, wenn es auf EINER Ebene stattfände, sprich: Der Psychologe ein Betroffener wäre?
Experte: Das ist sicherlich richtig, ein nicht Betroffener kann nicht alles nachempfinden. Aber es gibt eben nicht genug Betroffene. Ein nicht Betroffener bringt auch andere Sichtweisen rein.

Frage: Wenn für einen Querschnittgelähmten Ihre Fußgänger-Sicht etwas bieten kann, dann hat er Sie doch eigentlich gar nicht mehr nötig, oder?
Experte: Vielleicht tut es auch manchmal gut, einfach nur angehört zu werden, was ja die Aufgabe eines Psychotherapeuten ist. Und viele Gefühle teilen ja Betroffene und nicht Betroffene.

Frage: Man kann keine Schmerzen wegreden, oder?
Experte: Man kann aber Technikn lernen, um seine Schmerzen nicht mehr so stark zu empfinden, z.B. Hypnose und Meditationstechniken.

Frage: Sind Schmerzen und Spastik nicht häufig ein Ausdruck für eine psychische Schieflage?
Experte: Bei Fußgängern ja, bei Querschnittgelähmten weiß ich nicht.

Frage: Wer trägt die Kosten für eine Psychotherapie?
Experte: Psychotherapie wird von der Krankenkasse bezahlt, man muß einen Antrag stellen.

Frage: Gibt es irgendwelche Kriterien, um einen "guten" Therapeuten zu finden?
Experte: Ja, man muß sich absolut gut mit ihm oder ihr fühlen und Vertrauen aufbauen können. Wenn man ein komisches Gefühl hat, sollte man die Finger davon lassen. Das ist eine ganz persönliche Sache.

Frage: Wie lange sollte eine Sitzung dauern: Eine Stunde oder zwei, und wie oft in der Woche?
Experte: Eine Stunde in der Woche, manche brauchen allerdings mehr.

Frage: Kann der Psychologe nicht der Partner sein?
Experte: Natürlich sollte man über alles reden können, aber manchmal ist der andere auch überfordert. Und kann sich nicht immer dasselbe anhören, was ein Psychotherapeut natürlich muß oder kann.

Frage: Einem Menschen aus dem eigenen Umfeld kann man nie alles anvertrauen, denn an irgendeinem Punkt ist er immer dann auch persönlich mitbetroffen, oder?
Experte: Beim Psychotherapeuten kann man seinen ganzen "Müll" abladen. Bei einem Partner ist das auf die Dauer unfair.

Frage: Aber nur, wenn man in der Lage ist, seinen Müll rauszulassen. Welche Tricks gibt es, jemanden gesprächstechnisch zu öffnen?
Experte: Ich finde, Tricks wie Alkohol sollte man nicht anwenden. Ich finde, Vertrauen zu seinem Gegenüber ist besser und wirkungsvoller. Wichtig sind eine gute Situation, wie schön kochen, Kerzen und Zeit haben.

Frage: Wie kann sich ein Psychologe den Patienten "knacken", kann man JEDEN "kriegen"?
Experte: Nein. Wenn die Mauer zu dick ist, geht es eben nicht. Der andere muß schon wollen. Aber man kann einfühlsam fragen, da geht schon einiges.

Frage: Aber als Profi muß mir doch eine Menge mehr an psychologischen Hilfsmitteln zur Verfügung stehen, jemanden sich öffnen zu lassen?
Experte: Es gibt keine Tricks, ich stehe nur als Mensch zur Verfügung.

 

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