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Sexualität

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CHAT DOKU | 08.03.2000

Urologie & Sexualität II

 

Experte Dr. Harald Burgdörfer

Frage: Für wen ist ein Blasenstimulator sinnvoll? Was gibt es für Vor- und Nachteile?
Antwort: In erster Linie bei sensibler kompletter QL, wenn die Reflexinkontinenz anders nicht erfolgreich behandelbar ist.

Frage: Wie sieht der Eingriff genau aus?
Antwort: Zuerst müssen die sensiblen (Gefühls-) Nervenpaare zur Blase durchtrennt werden, dann müssen die motorischen (Bewegungs-) Nerven zur Blase mit sogenannten Elektroden ummantelt werden. Diese werden mit Kabeln innerhalb des Körpers mit einem Empfänger unter der Haut verbunden. Zur Blasenentleerung muß dann später ein Sender von außen über die Stelle des Empfängers gelegt werden. Die Impulse zur Entleerung werden dann über "Radiowellen" zum Empfänger und von dort zu den Blasennerven geleitet.

Frage: Gibt es eine Möglichkeit, dies rückgängig zu machen?
Antwort: Nein, es ist nicht rückgängig zu machen!

Frage: Wie sieht es beim Blasenstimulator aus, wenn man noch ein Feingefühl hat und alle Nerven durchtrennt werden?
Antwort: Das Gefühl fällt aus für den Intimbereich, die Blase und den Darm!

Frage: Ich kathetere alle 4 Stunden und habe alle 4 Wochen einen Infekt dabei handelt sich es immer um den gleichen Erreger. Kann ich eine Verkapselung in der Blase haben?
Antwort: Unter Verkapselung kann ich mir nichts vorstellen. Oft sitzen in der Prostata Erreger, die auch eine antibiotische Behandlung überstehen.

Frage: Was kann man dagegen machen?
Antwort: Das erfordert eine langfristige gezielte Antibiotika-Therapie nach Austestung für 6-12 Wochen. Wenn aber die Entleerung schlecht ist oder die Blase nicht vollständig ruhig gestellt ist, bei Leuten die katheterisieren, wird die Entzündung trotzdem wieder kommen!

Frage: Ist Detrusitol ein geeignetes Medikament bei Blasenschwäche?
Antwort: Es kommt auf die Ursache und Form der Blasenschwäche an. Detrusitol wirkt bei überaktiver Blase am besten.

Frage: Es wird bisher mit Oxybutynin behandelt. Ist Detrusitol ein vergleichbares Medikament (Wirkstoff/Wirkung)?
Antwort: Ja. Die Mundtrockenheit, die fast bei allen diesen Medikamenten auftritt, ist bei Detrusitol vergleichsweise geringer als bei Oxybutynin.

Frage: Eine kurze Frage zum Blasenstimulator: Die Nerven werden gekappt, und das Gefühl wird so auch entfernt, stimmt das? Wie sieht es mit Schmerzen in den Beinen aus, könnten sie eventuell auch zurückgehen?
Antwort: Nein.

Frage: Wird das Beklopfen der Blase nicht mehr gemacht?
Ich komme damit gut klar.
Antwort: Von den "neuen" frisch verletzten QL entscheiden sich immer mehr für das Selbstkatheterisieren der Blase, wenn die Handfunktion dazu ausreicht. Dann muß die Blase mit Medikamenten ruhig gestellt werden. Das ist eine echte Alternative zur Klopfentleerung, weil man dann kein Urinal braucht, wenn alles gut klappt.

Frage: Kathetern als Tetra?!
Antwort: C6 und C7 haben es schon gelernt. Höher wird es kaum gehen. Wer hier nicht von Fremdpersonen katheterisiert werden will, sollte bei der Klopfentleerung bleiben.

Frage: Gibt es Merkmale, woran ich eine Nierenfunktionsstörung erkennen kann?
Antwort: Nein, wenn man es selbst merkt, ist es meistens zu spät, um einen Nierenschaden noch behandeln zu können. Deshalb sind regelmäßige Untersuchungen für Rollis ja so wichtig!

Frage: Aber welche Merkmale sind denn Anzeichen für eine Nierenfunktionsstörung? Worauf sollte man achten? Verfärbt sich der Urin vielleicht?
Antwort: Nein, die Farbe des Urins hängt eher von der Trinkmenge ab. Schwere Nierenfunktionsstörungen machen sich durch Müdigkeit und körperliche Leistungsschwäche bemerkbar. Dann ist aber die Nierenfunktion schon um mehr als die Hälfte zum Teufel!

Frage: Stimmt es, daß die Einnahme von Kreatin die Nierenfunktion beeinträchtigt?
Antwort: Kreatin? Ich weiß nicht, wofür Kreatin gut sein soll. Kreatinin ist ein Ausscheidungsprodukt der Niere. Antwort der Chatterin: Kreatin zum Muskelaufbau bei spinaler Muskelatrophie.
Antwort: Ja, danke für die Antwort, da habe ich keine Ahnung von.

Frage: Gibt es anstatt Medikamenten auch natürliche Mittel, um die Blase ruhig zu stellen?
Antwort: Nichts Zuverlässiges, soweit mir bekannt ist. Wenn man sich mit Haschisch vollpumpt, wird die Blase auch ruhiger, kann ich aber als Dauerzustand nicht empfehlen.

Frage: Sind wiederkehrende Harnwegsinfekte ein Signal, daß das Klopfen nicht mehr klappen könnte?
Antwort: Nein, aber wiederkehrende Harnwegsinfekte können ein Zeichen für eine schlechte Entleerung (zu hoher Blasendruck oder zu hoher Restharn) sein.

Frage: Umso höher der Restharn, umso höher die Keimbildung, wurde mir gesagt.
Antwort: Stimmt, wenn man den Restharn ins Verhältnis setzt zum Fassungsvermögen der Blase.

Frage: Welche Nachteile haben Dauerkather?
Antwort: Chronische Blasenentzündung, Steinbildung usw.

Frage: Ich nehme seit 6 Monaten keine Tabletten (Dridase) mehr und habe keine Probleme damit - kann ich sie jetzt reinen Gewissens absetzen?
Antwort: Nein, erst wenn eine urodynamische Untersuchung (Blasendruckmessung) gezeigt hat, daß die Blase auch ohne Dridase absolut ruhig ist. Es kann auch nach mehreren Monaten des Absetzens die Blase noch einmal überaktiv werden, je nach Lähmungshöhe.

Frage: C6 - bemerke aber Blasendruck ab ca. 500ml.
Antwort: Es ist äußerst unwahrscheinlich, daß du langfristig auf die Tabletten verzichten kannst ohne Schaden. Das Fassungsvermögen könnte abnehmen, und irgendwann wärst du naß.

Frage: Wie lange hält erfahrungsgemäß die Schließmuskelkerbung?
Antwort: Da gibt es keinen Richtwert. Ob die Wirkung noch ausreichend ist, kann nur eine urodynamische Untersuchung klären.

Frage: Verstehe ich das richtig, daß die Aussage ist, daß das Fassungsvermögen der Blase auf Dauer abnimmt, wenn man häufig zuviel Urin darin sammelt?
Antwort: Nein, das meine ich anders. Das Fassungsvermögen nimmt ab, wenn die Blase durch das Absetzen der Medikamente wieder aktiv wird.

Frage: Wieviel Flüssigkeit benötigt die Niere Minimum, damit sie keine "Defekte" bekommt? Ist es, wenn es nur um die Nieren geht, möglich, auf Dauer auch weniger als 2 Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen?
Antwort: Man sollte soviel trinken, daß die Nieren wenigstens 1,5 Liter Urin in 24 h produzieren. Wieviel man dafür trinken muß, ist individuell sehr verschieden (Temperatur, Schwitzen und ähnliches).

Frage: In der Praxis läßt sich das aber oft nicht umsetzen. Wir können oft nicht selbständig toilettieren, weil wir die Kleidung nicht alleine vom Leib bekommen, und dadurch müssen wir die Urinmenge durch die Flüssigkeitszufuhr regeln. (Auf 1,5 l komm ich nie, da ich viel unterwegs bin und ohne Hilfe die Toilette nicht aufsuchen kann, darum ist mein Trinkkonsum stark eingeschränkt)
Antwort: Ich weiß, daß viele das Trinken einschränken, um die Blase seltener entleeren zu müssen. Viele behelfen sich damit, zu bestimmten Zeiten am Tag (Arbeit, Schule) weniger zu trinken, holen dann aber daheim das Trinken in größeren Mengen nach. Das finde ich OK.

Frage: Ich verstehe das Wort Urologie nicht, könnte mich jemand aufklären?
Antwort: Urologie ist die Lehre von Krankheiten der Harnorgane (Nieren, Harnleiter, Blase, Harnröhre) und der männlichen Geschlechtsorgane. Alles klar?

Frage: Was ist mit einem Cystofix ? Gibt es da Nachteile?
Antwort: Bei Frauen ähnlich wie ein Dauerkatheter. Nur liegt die Eintrittsstelle des Katheters zum Glück etwas weiter entfernt von Scheide und After.

Frage: Urodynamic bringt immer einen Infekt mit sich.
Antwort: Stimmt nicht, außer in einzelnen Fällen. Antwort des Chatters: Dann bin ich ein zweimaliger Einzelfall.
Antwort: Zweimal ist nicht immer.

Frage: Wie hoch ist das normale Fassungsvermögen der Blase?
Antwort: Bei Frauen 250-600ml, bei Männern 400-750ml.

Frage: In hd sagten sie mir 300-400 ml, alles drüber leiert die Blase aus
Antwort: Wir sagen 500 für QL.

Frage: Ist es nicht besser, wenn man den Druck spürt und erst dann kathetert, als daß man das nach der Uhrzeit regelt?
Antwort: Wenn der Druck durch das Zusammenziehen der Blase ausgelöst wird, ist es besser, vorher zu katheterisieren. Manche Rollis spüren aber auch die Füllung ohne Blasenaktivität. Wie das im Einzelfall ist, zeigt die urodynamische Untersuchung.

Frage: Was ist nun, wenn man auf Dauer zu wenig trinkt? Sind Nierenschäden dann unumgänglich oder "nur" möglich?
Antwort: Nierenschäden sind möglich, Steine und Infekte deutlich gehäuft.

Frage: Wenn sonst keine Probleme mit Infekten bestehen, kann ich dann bei langen Flugreisen einen Dauerkatheter benutzen?
Antwort: Der kann auch einen Infekt machen, ist aber wahrscheinlich die einzige sinnvolle Lösung. Bei Ankunft den Katheter sofort entfernen und viel trinken.

Frage: Wann arbeiten die Nieren am besten - zu welchen Tageszeiten?
Antwort: Da hat jeder seinen individuellen Rhythmus. Viele QL beobachten, daß sie im Rolli wenig ausscheiden, im Liegen aber viel, auch, wenn sie gleichmäßig trinken. Das liegt daran, daß nach QL im Sitzen Flüssigkeit in die Beine wandert, die beim Liegen wieder in den Kreislauf gerät und dann von den Nieren flott ausgeschieden wird.

Frage: Was ist sicherste Verhütungsmethode und gleichzeitig ungefährlichste? Frage des Experten: Für Mann oder Frau? Raucher oder Nichtraucher? Sensibel komplett oder inkomplett? Antwort der Chatterin: Frau und Raucher, komplett.
Antwort: Ich denke Minipille (nur Gestagene) oder Spirale, sprich mal mit Deinem Frauenarzt darüber. Eine Spirale gibt man lieber Frauen, die schon ein Kind geboren haben, sie verrutscht dann seltener. Nur wenn sie korrekt liegt, schützt sie. Spürst Du nichts da unten, mußt Du Dich vor dem Geschlechtsverkehr überzeugen, ob sie richtig sitzt.

Frage: Was gäbe es beim Mann denn für Methoden außer dem Kondom (ist zu unsicher ­ Reißgefahr)?
Antwort: Dauerhaft ist es die Samenleiterunterbindung, aber im Prinzip endgültig. Die Pille für den Mann ist entwickelt, in Deutschland aber noch nicht erhältlich.

Frage: Und wenn man die Pille nicht nehmen soll wegen erhöhter Thrombosegefahr?
Antwort: Siehe oben. Die Minipille erhöht die Thrombosegefahr nicht, soweit ich weiß.

 

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