STARTRAMPE.NET Logo
 
 

Zivildienst

Zivildienst

CHAT DOKU | 07.01.2004

Zivildienst III

 

Experte Martin Strobelt

Moderator: Martin, begrüßt Du ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Kunden und Zivildienstleistender?
Experte: Auf jeden Fall! Der Assistenznehmer sollte für sich selbst die Grenze setzen. Persönliches Vertrauen ist in der Beziehung zum Zivildienstleistenden besonders wichtig. Da diese Art von Beziehung nur neun Monate dauert, sollten beide folgende Eigenschaften haben: Offenheit, Interesse neue Menschen kennen zu lernen, Vertrauen.

Einwurf: Schlecht, wenn der Zivildienstleistende diese Eigenschaften nicht mitbringt und man keine Alternative hat. Also meiner Erfahrung nach ist eine professionelle Distanz von nöten, um zu vermeiden, dass der eine oder andere einem auf der Nase herum tanzt.
Experte: Professionelle Distanz kann auch gut sein, fördert jedoch nicht die Beziehung, sondern den Dienst nach Vorschrift.

Einwurf: Die Zivildienstleistenden bekommen viel vom Privatleben mit, wenn man dann jemand nicht so gut leiden kann ...
Experte: Die Beziehung sollte von beiden Seiten aus offen sein.

Frage: Wurde schon jemand bestohlen? Wurde die Wohnung betreten, ohne dass der Zivildienstleisende dazu aufgefordert wurde? Gibt es Erfahrungen mit behindertenfeindlichen Sprüchen von Zivildienstleistenen? Das ist uns passiert, Anzeigen bringt nicht viel, dass Geld ist weg, also, was tun?
Einwurf: Ich wurde auch bereits bestohlen, dem Mitarbeiter wurde fristlos gekündigt.
Experte: Die Zivi-Assistenz sollte durch eine kompetente Person begleitet werden. Konflikte sollte man frühzeitig ansprechen. Nobody is perfekt. Ein Diebstahl ist heftig und muss mit dem Verantwortlichen der Einrichtung geklärt werden! In einem Fall brachte ein Zivildienstleistender CDs nicht zurück und wurde daraufhin diszipliniert und versetzt.

Einwurf: Bei CDs sagen wir schon garnichts mehr. Wer zahlt eigentlich die Sachen die kaputt gehen, Teller, Gläser etc.?
Experte: Mit Geld sollte man professionell umgehen. Überschaubare Mengen, Belege sammeln, genau abrechnen. Jeder Zivildienstleistende ist Haftpflicht versichert. Das mit den Tellern und Gläsern ist ein Problem."Natürlichen Schwund" kann man nicht 100% ersetzen.

Frage: Wie definiert man "Natürlichen Schwund"?
Experte: Das sollte man einvernehmlich klären. Häuft sich dies oder geht wertvolles zu Bruch muss dies ersetzt werden.

Frage: Haftet nicht der Pflegedienst? Nicht jeder Zdl hat eine Haftpflicht.
Experte: Die Zivildienstleistenden sind über die Einrichtung versichert.

Frage: Nicht aber Schäden am Auto, oder?
Experte: Autos der Kunden müssen Vollkasko versichert sein. Ansonsten ist die Erklärung auf Verzicht des Schadensersatz zu unterschreiben.

Frage: Versuchst Du zu schlichten oder wird der Zivi gewechselt?
Experte: Beides kommt vor. Wir sind eine größere Einrichtung und können intern tauschen.

Einwurf: Das ist mir lieber als ständiges zu spät kommen, zumal es ja nicht für lange ist.
Experte: Du scheinst schlechte Erfahrungen gemacht zu haben.

Einwurf: Nicht unbedingt, aber nervend.
Experte: Meist beruht es auf Gegenseitigkeit, wie es in den Wald schallt, so auch wieder raus. Die meisten Zivildienstleistenden die Behinderte betreuen möchten, sind korrekt und engagiert.

Moderator: Müssen die Zivildienstleistenden berichten, was so läuft?
Experte: Ich bin immer daran interessiert. Kunden sollen auch berichten. Beide sollen zufrieden sein. Fehler und Schwächen werden, wenn möglich, verbessert.

Frage: Beschweren sich Zividienstleistende auch manchmal und worüber?
Experte: Relativ selten. Wechselnde Launen, Undankbarkeit, manchmal Überforderung. Kunden, auch Ältere, haben vor den Zivildienstleistenden oft sogar zu viel Respekt. Manchmal trauen sie sich nicht, selbstverständliche Dinge zu fordern.

Moderator: Martin, hast Du schon Zivildiensleistende gehabt, die sich ausgenutzt fühlen?
Experte: Die gab's auch schon, dass waren eher distanzierte Beziehungen.

Moderator: Was muss ein Zivildienstleister nicht tun, abgesehen von kriminellen Taten?
Experte: Medizinische Pflege, sie ist nur für examinierte Kräfte erlaubt, Dinge gegen die Menschenwürde, Koks kaufen etc.

Einwurf: Seine Rechte einzufordern muss man erst lernen. Die Beziehung ist nun einmal nicht gleichberechtigt! Um jeden kleinen Handgriff bitten zu müssen, ist nicht gerade einfach.
Experte: Wenn der Zivildienstleisender Dich kennt, ihr euch versteht, die wesentlichen Abläufe klar sind, dann musst Du ihm nicht alles neu erklären.

Moderator: Wird die Arbeitszeit und Tätigkeit für den Zivildienstleistenden definiert, bevor er seine Stelle antritt?
Experte: Das wird zuvor alles besprochen, fair und ehrlich.

Moderator: Kann oder muss er auf Verlangen länger arbeiten?
Experte: Das sollte ein bis zwei Tage zuvor angekündigt werden. Bei Notfällen oder spontanem Einverständnis ist dies kein Thema.

Frage: Dürfen bestimmte Tätigkeiten verweigert werden, z.B. früher zu Bett bringen?
Experte: Es müssen alle Anweisungen ausgeführt werden, sofern sie nicht gegen sein Gewissen verstoßen. Hier sollte die Dienststelle klären, was zumutbar ist und was nicht.

Einwurf: Er meinte, er sei Zivildienstleistender und kein Pflegedienst.
Experte: Alle möglichen Aufgaben mit Einverständnis der Dienststelle schriftlich fixieren. Der Zivildienstleistende darf auch Pflege machen, er hat nicht darüber zu bestimmen, wann der Betreute ins Bett geht.

Frage: Ist das ins Bett bringen bereits kann, aber muss nicht Fall?
Experte: Alles eine Sache von Absprache und Einweisung. Einweisung darf übrigens auch mit viel Geduld der Assistenznehmer selbst machen.

Moderator: Wenn ein Zivi ausgebeutet wird, fällt Dir das auf?
Experte: Ich hinterfrage schon Einzelheiten, wenn er nichts erzählt, nur schweigt krieg ich nichts mit.

Frage: Ändert die Gesundheitsreform etwas am Zivildienst?
Experte: Nein! Das Gesundheitsmodernisierungsgesetz vom 01.01.2004 (GMG) belastet die Krankenversicherten mit einer Reihe von neuen Zuzahlungen.

Frage: Was sagen Sie zu dem Fall in Eppendorf der kürzlich verhandelt wurde.
Experte: Die Müllcontainer-Geschichte? Der Fall vor Gericht ist für Außenstehende unvorstellbar. Sein Gewissen und seine Verantwortung darf der Helfer niemals ausschalten.

Frage: Wie lange dauert der Zivildienst?
Experte: Zehn Monate, möglicherweise Angleichung zum Wehrdienst auf neun Monate ab Sommer 2004.

Frage: Gibt es für die Zivis von einem Team auch Teamsitzungen? Was für eine Ausbildung bekommen sie und haben sie einen erste Hilfe Kursus absolviert?
Moderator: Ich bin übrigens auch Assistenznehmer. Teamsitzungen gibt es bei mir und ausgebildet werden sie, von mir, nach meinen Bedürfnissen.
Experte: Erste Hilfe gehört bei manchen Zivi-Lehrgängen zum Programm. Sie machen einen dreiwöchigen Lehrgang und eine Einweisung durch die Einrichtung. Die Assistenznehmer bilden sie ständig fort. Ohne die zahlreichen ISB-Zivildienstleistende (ISB = Individuelle Schwerstbehindertenbetreuung) gäbe es nur halb so viele geeignete Assistenten. Die meisten Assistenten haben oft in diesem Bereich Zivildienst gemacht.

Frage: Wer ist fester Ansprechpartner der Zivildienstleistenden?
Experte: Das mit den Ansprechpartnern ist leider unterschiedlich. Manche Einrichtungen kümmern sich nur um Zivis und Klient, wenn es Ärger gibt.
Moderator: Die Chatzeit vorbei. Martin, vielen Dank, dass Du Dich zur Verfügung gestellt hast!
Experte: Ich wünsche auch einen schönen Abend und komme gerne wieder!

 

Artikel empfehlen»
Artikel als PDF»
Druckansicht»

 


ANMELDEN/ABMELDEN 

 




 

Mitglied werden»

Passwort vergessen»

 

SUCHE 

 

 
 
 
© 2005 STARTRAMPE.NET e.V. · Gast · Druckansicht